Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway hat einen Börsenwert von etwa 175 Milliarden Euro. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2012 belief sich auf knapp 124 Milliarden Euro. Rund 288.000 Menschen sind in den Unternehmen beschäftigt, an denen Berkshire beteiligt ist. Das "Orakel von Ohama" verfügt über ein geschätztes Privatvermögen von mehr als 40 Milliarden Euro und vermehrte jenes seiner Aktionäre durchschnittlich um 20 Prozent pro Jahr – seit Anfang der 1960er-Jahre!

Unzählige Fondsmanager haben seither versucht, mit einer ähnlichen Strategie den Erfolg des Starinvestores zu kopieren – zumeist mit mäßigem Erfolg. Worin liegt also das Geheimnis von Warren Buffetts schier endloser Siegesserie? Wie "guruwatch.ch" berichtet, haben die drei Wissenschaftler Andrea Frazzini, David Kabiller und Lasse Pedersen (AQR Capital Management/Stern School of Business) nun Buffetts Erfolgsformel ökonometrisch seziert und als Studie an der Yale University unter dem Titel "Buffet's Alpha" veröffentlicht.

Wer den Wert eines Dollar innerhalb von 25 Jahren – wie Buffett zwischen 1976 und 2001 – auf 1.500 Dollar hochtreiben möchte, sollte sich an den folgenden sechs Erkenntnissen der Studie orientieren:

1. Buffett besitzt kein "Zauberhändchen" bei der Auswahl einzelner Titel – seine Strategie kann mit völlig anderen Aktien kopiert werden. Die drei Wissenschaftler probierten dies, indem sie rückwirkend ein Portfolio bildeten, welches jeweils Buffetts Themen und Schwerpunkte kopierte und dabei auch möglichst gleiche Risiken einging – jedoch mit anderen Aktien. Und siehe da: Das "Spiegel-Portfolio" erzielte tatsächlich eine ähnliche Performance wie jene von Berkshire Hathaway.

2. Das Timing ist bei Buffetts Erfolgen nicht wirklich entscheidend. Frazzini, Kabiller und Pedersen konnten auch bei zeitlichen Verschiebungen ähnliche Renditen simulieren – das Geheimnis iegt also eher in der Wahl der Titel als im Kaufzeitpunkt.

3. Bei Buffetts Prinzip, nur hervorragende Unternehmen zu kaufen, ist günstige Preis zwar wichtig, aber etwas weniger entscheidend. Der 83-jährige hat dies mal so erklärt: "It's far better to buy a wonderful company at a fair price than a fair company at a wonderful price." Seine grundsätzliche Vorliebe für sichere, günstig bewertete und qualitativ hochstehende Unternehmen kommt auch in der Studie deutlich zum Ausdruck.

4. Buffett arbeitet mit nennenswertem, aber auch überschaubarem Leverage: Durchschnittlich betrug der Anteil des Fremdkapitals das 1,6-fache der Eigenmittel – ein Faktor der dazu beiträgt, dass dieser Anteil im Erfolgsfall überdurchschnittlich rentabel ist, sind die äußerst günstigen Kredite, auf die Berkshire zurückgreifen kann.

5. Buffett liebt das Risiko – auch wenn er dafür schon einige schwere Rückschläge einstecken musste. Dennoch wich er – im Gegensatz zu vielen anderen – niemals von seiner seit mehr als 50 Jahren unveränderten Strategie ab.

6. In den letzten 30 Jahren beteiligte sich Buffett zu 63 Prozent an börsenkotierten Unternehmen und zu 37 Prozent an privat gehaltenen Firmen. Die Performance seiner börsenkotierten Gesellschaften war (gemessen am Risiko) leicht höher als jene der privaten – seine Stärke liegt also mehr im Stockpicking als in seiner Managementtätigkeit.

Abschließend sind die Autoren überzeugt davon, dass jeder, der in den letzten Jahrzehnten Buffetts veröffentlichte Engagements einfach kopiert hätte, massiv überdurchschnittliche Renditen hätte einfahren können – allerdings nur, wenn er dazu die nötigen Nerven wie der Großmeister besitzt... (mb)