Eine Anekdote, die Jordan Belfort am Mittwoch auf dem FONDS professionell KONGRESS in Mannheim erzählt, steht exemplarisch für sein Leben: Als Teenager sieht der Mann, der heute unter dem Spitznamen "The Wolf of Wall Street" bekannt ist, den Magier David Copperfield im Fernsehen. Belfort ist begeistert und hängt Anzeigen in der Nachbarschaft auf, in denen er seine Dienste als Zauberer auf Kindergeburtstagen anbietet. Das Problem: Es melden sich tatsächlich Interessenten – und Belfort hat keine Ahnung von Zauberei. Sein Vater hilft und kauft dem Sohn in einem "Magic Shop" die nötigen Utensilien. In den folgenden drei Jahren verdient der geschäftstüchtige junge Mann mit seinen Zaubershows gutes Geld.

Menschen Kompetenz vorspiegeln und damit Geld scheffeln – dieses Prinzip hat Belfort zur Perfektion gebracht. Nur, dass nicht immer ein Elternteil da war, um ihm aus der Patsche zu helfen. Belfort ist ebenso berühmt wie berüchtigt: Nach einer steilen, aber kurzen Karriere als mobiler Fleisch- und Fischverkäufer in New York und einem Intermezzo bei einer Brokerfirma an der Wall Street, das am "Schwarzen Montag" im Oktober 1987 seinen Anfang und auch sein Ende nahm, verlegte er sich darauf, Pennystocks an Kleinanleger zu verkaufen. Er hatte die Papiere zuvor auch selbst erworben. War der Kurs der wertlosen Aktien gestiegen, verkaufte Belfort mit Gewinn – seinen Kunden blieben indes nur Verluste.

Insgesamt erleichterte Belfort rund 1.500 Investoren um etwa 200 Millionen US-Dollar. Er machte in dieser Zeit mit Drogen und wilden Partys von sich reden. Die Justiz kam ihm schließlich auf die Schliche. Im Jahr 2003 wurde der "Wolf of Wall Street" wegen Wertpapierbetrugs und Geldwäsche zu vier Jahren Haft verurteilt. Weil er sich gegenüber der Staatsanwaltschaft kooperativ zeigte, musste er allerdings nur 22 Monate absitzen.

Im Gefängnis schrieb Belfort seine Memoiren, die Regisseur Martin Scorsese mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle verfilmte. Der Film mit dem Titel "Wolf of Wall Street" kam im Jahr 2013 in die Kinos. Heute tourt Belfort als Motivationscoach und Verkaufstrainer durch die Welt und freut sich über mehr Aufmerksamkeit als je zuvor. Buch und Film seien sein "Weg zurück an die Spitze" gewesen, sagt er im Eröffnungsvortrag des FONDS professionell KONGRESS.

Ich hatte es verdient, ins Gefängnis zu gehen"
An der Spitze zu sein, ist Belfort wichtig. "Ich habe eine Gabe. Ich bin der geborene Verkäufer", sagt er selbstbewusst. Als er sich beim Chef einer Broker-Firma vorstellte und ihm im Bewerbungsgespräch sofort Aktien verkaufen wollte, habe der Mann zu ihm gesagt: Entweder werde er, Belfort, der größte Wall-Street-Broker aller Zeiten – oder er lande im Gefängnis. "Letztlich hatte er in beiden Punkten recht", so Belfort. Vor seinem Publikum in Mannheim zeigt er sich geläutert. "Ich hatte die Kontrolle verloren. Ich wusste nicht, was ich mit so viel Macht und Geld tun sollte", erklärt er. "Meine ethischen Maßstäbe hatten sich schleichend verschoben. Was ich getan habe, war falsch. Ich hatte es verdient, ins Gefängnis zu gehen."

"Erfolg ohne Integrität ist kein Erfolg"
Damit niemand auf die Idee kommt, seinem Vorbild nachzueifern, bedient sich Belfort eines Zitats aus den "Spiderman"-Comics, das der Superheld Peter Parker alias Spiderman von seinem Onkel mit auf den Weg bekommt: "Mit großer Macht kommt große Verantwortung." Erfolg ohne Integrität sei kein Erfolg. "Das musste ich auf die harte Tour lernen", so Belfort. Immerhin: Am Ende hat sich alles, was der "Wolf der Wall Street" getan hat, ausgezahlt. Das Gute wie das Schlechte. (jg)