Zu Guttenberg: Machtstrukturen der Zentralbanken aufbrechen
Als Berater junger Technologiefirmen hat sich der Ex-Verteidigungsminister früher als andere mit der Blockchain befasst. In einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung schildert Karl-Theodor zu Guttenberg, wie Kunstwährungen vor den Folgen einer ausufernden Geldpolitik schützen könnten.
Wem gehört das Geld? Auf diese Frage hat Karl-Theodor zu Guttenberg eine einfache Antwort: Dem, der es kontrolliert. Was aber geschähe, wenn nicht Zentralbanken über Menge und Fließrichtung des Geldes bestimmten, sondern alle, die am Wirtschaftskreislauf teilhaben? Dann, so zu Guttenberg, käme man dem Ursprung des Geldes wieder näher.
"Geld entstand aus dem Tausch – also bestimmte das Tauschvolumen das erforderliche Geldvolumen", schreibt der ehemalige Verteidigungsminister und Top-Keynotespeaker beim FONDS professionell KONGRESS 2017 in Mannheim in einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung. Schon immer habe die staatliche Kontrolle des Geldes neben Vorteilen auch ihre Schattenseiten gehabt. "Mit der Beimischung unedler Stoffe versuchte man, die Herstellung von Münzen zu verbilligen. Das führte zu Inflation", so zu Guttenberg. Später finanzierte man mit letztlich wertlosem Papiergeld fürchterliche Kriege und betrog die überlebenden Sparer um ihr Vermögen. "Und wenn die Staaten ihre Schulden nicht mehr tragen konnten, flohen sie in die Inflation und entwerteten damit die ausgegebenen Anleihen", so der Investor.
Stets hätten Menschen versucht, sich gegen solche Praktiken zu wehren – mitunter erfolglos. "In Krisenzeiten ging man unter hohen Effizienzverlusten wieder zum Tauschhandel über oder floh in Sachwerte, was am Ende oft zu Preisblasen führte, die unter schweren Schäden für die Volkswirtschaften platzten", erinnert zu Guttenberg. Heute fände man die absurde Situation vor, dass Gläubiger für ihr Geld Zinsen zahlen müssten statt welche zu bekommen. "Gleichzeitig profitieren die – meist staatlichen – Schuldner umso stärker, je mehr Anleihen sie auf die Reise schicken, denn einige bekommen dafür auch noch Geld geschenkt", schildert zu Guttenberg.
Kunstgeld als ernstzunehmende Alternative
Das Konzept des Kryptogeldes biete eine probate Ausweichlösung. "Dieses Handelsmedium beruht auf weltweit vernetzten Datenblöcken, der sogenannten Blockchain, die jeden Geschäftsvorfall dauerhaft auf unzähligen Rechnern protokollieren und so weitgehend Fälschungssicherheit gewährleisten", erklärt zu Guttenberg. Kryptogeld, etwa Bitcoin, lasse sich weder mit negativen Zinsen noch mit Besitzverboten – wie Bargeld – belegen. "Theoretisch könnte sie also eine Antwort auf die zunehmende Zweckentfremdung der staatlichen Geld- und Kreditversorgung sein", so zu Guttenberg.
Die noch relativ geringe Verbreitung, die Verwendung als Instrument zur Geldwäsche, gewaltige Kursschwankungen sowie Betrugs- und Hacking-Versuche stünden dem noch entgegen. Doch selbst für Fachleute im traditionellen Finanzwesen besäßen die neuen Technologien ein großes Potenzial. Hätte der klassische Banken-und Finanzsekto der Blockchain in den ersten Jahren lediglich ein hochmütiges Lächeln geschenkt sei dieses Gehabe augenscheinlicher Hektik gewichen, hat zu Guttenberg beobachtet.
Die Vorteile lägen auf der Hand: "Der Zahlungsverkehr würde preisgünstiger, weil Vermittlerdienste – wie Korrespondenzbanken – entfallen, und die Transparenz nähme durch die Einsehbarkeit aller Transaktionen zu", ist zu Guttenberg gewiss. Allein die Existenz einer Ausweichwährung könnte zum Überdenken geldpolitischer Experimente führen, deren Zeit womöglich längst abgelaufen ist. (ps)
















