Keine Chance ohne Risiko! Spätestens seit der Nacht auf Montag führte diese allgemein bekannte und an den Finanzmärkten viel beachtete Regel für tausende vor allem britische und russische Großanleger und Kunden der großen zyprischen Banken zu einer schmerzhaften Erkenntnis. Vier bis fünf Prozent Zinsen und in vielen Fällen oft verbunden mit einem nicht zu vernachlässigenden Steuer-, oder besser attraktiven Nicht-Steuer-Effekt, können auch zum Totalverlust des Kapitals führen.

Während nach dem in letzter Minute erzielten Kompromiss zur Rettung Zyperns (FONDS professionell ONLINE berichtete) alle Kleinsparer, aber auch die Steuerzahler der europäischen Gemeinschaft weitestgehend verschont bleiben, träfe es diesmal aus Sicht von Torsten Gellert, Managing Director bei Forex Capital Markets (FXCM) "die Richtigen". Leiden müssten nämlich vor allem die, die das Leben auf der Mittelmeerinsel über die letzten Jahre mit ihren Kapitaltransfers weitestgehend finanziert haben. 
 
Damit scheint für den Devisenexperten eines klar: Wer jetzt noch irgendwo bei irgendeiner Bank Geld auf der Insel hat, werde es, wenn möglich, sehr schnell in Sicherheit bringen, sobald die Gelegenheit dazu besteht. Auch sei nicht auszuschließen, dass diejenigen, die mit einem Kapital unter 100.000 Euro sich zwar sicher fühlen könnten, aber dem Braten nicht so recht trauen und ihr Geld auch in Sicherheit bringen wollen, sobald die Banken wieder öffnen. 
 
Tag der Wahrheit
Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" sind die täglichen Verbindlichkeiten gegenüber der EZB in der letzten Woche mehr als doppelt so stark gestiegen als in den Wochen davor. Damit könnten allein in den vergangenen zehn Tagen – trotz Kapitalverkehrskontrollen – drei bis vier Milliarden Euro aus dem Land abgeflossen sein. Wie viel genau, sei Gellert zufolge aber nicht klar. "Und da liegt das Problem, weshalb ich jegliche Euphorie über die Rettung der Mittelmeerinsel für verfrüht ansehe und eine Staatspleite Zyperns auch noch in den kommenden Wochen und Monaten nicht ausschließen will."
 
Denn neben den immer gern erwähnten reichen Russen, wovon einige auch ihr Schwarzgeld auf Zypern waschen wollten, gibt es sicher auch zahlreiche Unternehmen, die durch die Abwicklung ihrer Bank oder, wenn sie Glück haben, nur durch die noch genau zu errechnende Zwangsabgabe arg in Mitleidenschaft gezogen werden. "Der Finanzsektor ist, oder vielmehr war, mit mehr als 50 Prozent die tragende Säule der zyprischen Wirtschaft. Mit dem Wegfall des bisherigen Geschäftsmodells muss sich damit die Insel quasi neu erfinden", erklärt Gellert. 
 
Damit trifft es die Zyprer doppelt: Die Prognosen, das BIP würde in diesem Jahr um lediglich 3,5 Prozent schrumpfen, sollten jetzt schon hinfällig sein. Das Minus dürfte – so Gellert – wohl eher im zweistelligen Bereich liegen. "Nicht nur die Jobs in den zahlreichen Banken gehen verloren, die Zahl der Insolvenzen wird dramatisch steigen und damit sinken die Steuereinahmen. Alles in allem wird der Finanzbedarf Zyperns in den nächsten Jahren ansteigen und über die jetzt bereitgestellten knapp 17 Milliarden Euro weit hinausgehen."
 
Euro bleibt unattraktiv
Zwar werde die Zukunft des Euro laut Gellert nicht von der Entwicklung in dem überschuldeten Insel-Staat abhängen, das kleine Zypern sei damit aber ein weiteres Land der Eurozone, welches infolge eines massiven Schuldenproblems nun mit harten Einschnitten versuchen muss, aus einer drohenden jahrelangen tiefen Rezession wieder herauszukommen. "Heute Nacht ging es um Zypern, weshalb alle Finanzminister den Großteil des Sonntags in Brüssel verbringen mussten. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Schäuble und Kollegen in Sachen Slowenien ihre Wochenendplanung erneut über den Haufen werfen müssen. Und mal sehen, was der vom italienischen Staatspräsidenten beauftragte Wahlgewinner Bersani in Sachen Regierungsbildung zustande bringt", so Gellert. 
 
Mit Blick auf den Euro und dem Umstand, dass in der Regel eine Währung immer so stark ist wie der Wirtschaftsraum, den sie repräsentiert, traut er der Gemeinschaftswährung in den nächsten Monaten keine großen Sprünge nach oben zu. Interessant sei allerdings einmal mehr der Blick auf den Schweizer Franken. (dw)