1,8 Millionen Depots bis 2030: DKB-Chef setzt "klar auf Angriff"
Mit "DKB 2030" will die BayernLB-Tochter ihr Brokerage massiv ausbauen, neue Zielgruppen erschließen und 500 Millionen Euro in Technologie und KI stecken. Auch personell sieht sich die Bank nach einem Sparkurs neu aufgestellt.
Die BayernLB-Tochter DKB will das Wertpapiergeschäft deutlich ausbauen, sich mit Kleinstunternehmen eine neue Kundengruppe erschließen und verstärkt auf künstliche Intelligenz (KI) setzen. Das sind zentrale Eckpfeiler der neuen Strategie "DKB 2030", wie Vorstandschef Sven Deglow in einem Interview mit der Nachrichtenagentur "Bloomberg" erklärte. Zuletzt hatten Hunderte Mitarbeiter die Bank verlassen. Dahinter stand auch das Ziel, ein Ausufern der Kosten zu vermeiden.
"Wir setzen im Privatkundengeschäft klar auf Angriff. Unser Ziel ist es, neue Kunden für die DKB sowie aktiv Marktanteile zu gewinnen", sagte Deglow. Bis 2030 sollen Privatkunden fast genauso viel zum Gewinn vor Steuern beitragen wie Geschäftskunden. Auch wenn die DKB vor allem als digitale Retailbank wahrgenommen wird, verdiente sie zuletzt mehr Geld mit Geschäftskunden, darunter beispielsweise Versorgern.
Fokus auf organisches Wachstum
Die neue Strategie zielt laut Deglow auf organisches Wachstum. Übernahmen sind nicht Teil der aktuellen Planungen. "Was nicht heißt, dass wir den Markt nicht beobachten", erklärte Deglow.
Als Wachstumsmotor sieht Deglow den Ausbau des Wertpapiergeschäfts. Die Zahl der Depots soll sich von zuletzt 900.000 bis 2030 in etwa verdoppeln. "Unsere Wettbewerber im Brokergeschäft sind vorrangig die Neobanken und Neobroker. Wir müssen preislich in der Nähe dieser Mitspieler liegen", sagte Deglow. Um das zu unterstützen, plant die DKB den Wechsel ihres Wertpapierdienstleisters – weg von der DWP Bank, an der die BayernLB beteiligt ist, hin zum Fintech-Unternehmen Upvest.
Die Partnerschaft mit Upvest "ermöglicht ein modernes Brokerage gekoppelt mit wettbewerbsfähigen Preisen", so Deglow. Bis Ende 2026 will die DKB neue Kunden auf die Upvest-Plattform holen, bis Ende 2027 bestehende Kunden.
Wettbewerb mit Neobrokern
Auch andere Teile des öffentlich-rechtlichen Bankensektors rüsten sich für den Wettbewerb mit Neobrokern, nachdem viele Kunden abgewandert waren. So planen die Sparkassen ein "offensiveres" Angebot, wie Matthias Neth, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, vor Kurzem sagte. Neobroker waren in den vergangenen Jahren stark gewachsen, auch weil sie Kunden mit einfachen Angeboten lockten und häufig günstiger waren als traditionelle Kreditinstitute.
Neben der Offensive im Wertpapiergeschäft setzt Deglow auch auf die Entflechtung von Angeboten. Bisher ist für einige Produkte noch ein DKB-Girokonto Voraussetzung. Das soll sich ändern. Zuletzt kam die DKB insgesamt auf knapp sechs Millionen Retailkunden, die größten Konkurrenten sind ING Deutschland und Comdirect.
Neue Zielgruppe im Firmenkundengeschäft
Im Geschäftskunden-Banking zielt die DKB auf digitalaffine Kleinst- und Kleinunternehmen, etwa Solo-Selbstständige und Influencer. "In diesem Segment wollen wir bis 2030 eine hohe fünfstellige bis eine niedrig sechsstellige Zahl an Kunden gewinnen. Es soll ein überwiegend digitales Angebot werden", sagte Finanzchef Jan Walther in demselben Interview. Es gehe beispielsweise um Konten und Kredite.

Über die gesamte Bank hinweg will die DKB mehr KI einsetzen. "Für intelligente Prozesssteuerung, im Kundenservice, für schnellere Kreditentscheidungen, wirksame Betrugsprävention, personalisierte Kundenansprache und mehr Effizienz im Backoffice", sagte Deglow. Bis 2030 sollen dafür nochmals 500 Millionen Euro in Technologie und KI investiert werden – genauso viel wie bereits zu Beginn des Jahrzehnts.
Mitarbeiterzahl gesunken
Ende 2025 kam die DKB auf rund 4.000 Mitarbeiter, verglichen mit etwa 5.000 zwei Jahre zuvor. Hunderte Mitarbeiter gingen über ein Freiwilligenprogramm. Die DKB plane nun "mit einer stabilen Entwicklung bis 2030. Ein weiteres Effizienzprogramm ist nicht geplant", sagte Walther.
Für die Mutter BayernLB ist die DKB das unangefochtene Zugpferd im Konzern. In den Jahren 2023 und 2024 verdiente die Berliner Tochter jeweils rund eine Milliarde Euro vor Steuern. Was unterm Strich im Jahr 2025 herauskam, dürfte die BayernLB bei der Bilanzvorlage in wenigen Tagen bekanntgeben. Fest steht: Deglow will den Gewinn vor Steuern bis 2030 auf 1,5 Milliarden Euro steigern.
Angesichts der guten Zahlen machen immer wieder Spekulationen die Runde, die DKB könnte verkauft werden. Das verneinen BayernLB und DKB jedoch stets – so auch in dem Doppel-Interview. "Die DKB ist und bleibt ein integraler Bestandteil der BayernLB", sagte Deglow. (mb/Bloomberg)















