20 Milliarden Euro: Meag will Infrastruktur-Portfolio verdoppeln
Die Meag prüft einen deutlichen Ausbau ihres Infrastrukturfinanzierungsgeschäfts. Neben größeren Volumina rücken dabei auch kleinere Projekte und neue Märkte wie Kanada stärker in den Fokus des Asset Managers der Munich Re.
Die Meag erwägt, ihr Engagement im Bereich Infrastructure Debt deutlich auszubauen. Der Asset Manager der Munich Re, der zuletzt rund 368 Milliarden Euro verwaltet hat, nimmt dabei verstärkt auch neue Märkte wie Kanada sowie kleinere Finanzierungen ins Visier.
Seit dem Einstieg in das Segment im Jahr 2014 hat die Meag ein Portfolio von inzwischen rund zehn Milliarden Euro aufgebaut, teils für die Munich Re und teils für Drittinvestoren. Finanziert werden beispielsweise Windparks, Züge und Straßen.
"Ich kann mir vorstellen, dass wir das Portfolio in den nächsten fünf oder sechs Jahren verdoppeln, wobei das natürlich von vielen Faktoren abhängt", erklärte Thomas Bayerl, Mitglied der Geschäftsführung und weltweiter Chef für illiquide Assets bei der Meag, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur "Bloomberg".
Kleinere Projekte könnten stärker gebündelt werden
Finanzierungen haben in der Regel eine Größe von 100 bis 400 Millionen Euro. Das muss allerdings nicht so bleiben. "Wir könnten verstärkt auch kleinere Finanzierungen poolen und daraus größere Pakete schnüren", sagte Bayerl. Etwa Wind- und Solarparks im Volumen von zwei oder drei Millionen Euro. Laut Bayerl sind kleinere Projekte "margentechnisch interessanter" als große Projekte. Das liege auch daran, dass die Konkurrenz bei der Finanzierung geringer sei.
Grundsätzlich gebe es das Ziel, mit Infrastrukturfinanzierungen Renditen zu erzielen, die etwa 100 bis 200 Basispunkte über den Renditen liquider Anlagen liegen. Etwa 98 Prozent der Meag-Finanzierungen sind direkte Finanzierungen, also self-originated, wie es in der Finanzbranche heißt.
Blick auf neue Investorenmärkte
Die Kunden kommen meist aus dem deutschsprachigen Raum. "Perspektivisch schauen wir uns aber auch nach neuen Märkten um", sagte Bayerl. "Zuletzt haben wir ein Mandat eines kanadischen Kunden gewonnen. Das ist ein völlig neuer Markt für uns." Auf die Meag seien kanadische Investoren zugekommen, weil sie speziell nach Asset Managern mit einer guten Präsenz in Europa gesucht hätten. Fast alle Finanzierungen der Munich-Re-Tochter sind in dieser Region.
Ein Grund für das Interesse sieht Bayerl auch in der Geopolitik: "Sie wollen weniger in den USA investieren, weil unklar ist, wie das Verhältnis zwischen USA und Kanada zukünftig aussehen wird." Er glaubt, dass das Geschäft mit kanadischen Kunden künftig weiter wachsen wird.
Glasfaser, Bahn und Rechenzentren als Wachstumstreiber
Zu den großen Wachstumsfeldern im Bereich Infrastructure Debt zählen laut Bayerl der Ausbau des Glasfasernetzes, der Bereich Schiene und Zug – moderne Züge für immer mehr Menschen – sowie KI in Form von Rechenzentren.
Seit drei Jahren ist auch der Bereich Energieeffizienz im Portfolio der Meag. Hier geht es um Themen wie die Erneuerung von Straßenbeleuchtungen – weg von herkömmlichen Glühbirnen hin zu effizienten LED-Lampen. "Wir finanzieren neue Technologien nur, wenn wir sie auch verstehen. Wir greifen dabei auch auf die technische Expertise der Munich Re zurück. Daher gilt in den meisten Fällen auch: Was Munich Re nicht versichert, würden wir auch nicht finanzieren", erklärte Bayerl.
Direct Lending für Unternehmen – also beispielsweise die Finanzierung des Wachstums eines Zahnbürstenherstellers – bietet die Meag derzeit nicht an. "Ich bin schon immer ein Fan von Real Assets gewesen", so Bayerl. (mb/Bloomberg)















