3.000 Jobs weg, höherer Gewinn: Commerzbank kontert Übernahmeplan
Mit einem Stellenabbau und einer verbesserten Gewinnprognose stemmt sich die Commerzbank gegen den Übernahmeversuch der Unicredit. Vorstandschefin Bettina Orlopp will Profitabilität und Renditen weiter steigern. Betriebsbedingte Kündigungen soll es aber nicht geben.
Die Commerzbank hat ihre Gewinnprognose für dieses Jahr angehoben und weitere Stellenstreichungen angekündigt. Vorstandschefin Bettina Orlopp intensiviert damit den Abwehrkampf gegen die italienische Unicredit.
Der Gewinn für das Gesamtjahr werde mindestens 3,4 Milliarden Euro erreichen, teilte die Frankfurter Bank am Freitag (8.5.) mit. Zuvor hatte die Prognose bei mehr als 3,2 Milliarden Euro gelegen. Zudem stellte die Commerzbank neue Mittelfristziele vor, darunter den Abbau von 3.000 Stellen. Damit soll sich der Gewinn bis 2030 verdoppeln und eine Nettoeigenkapitalrendite von rund 21 Prozent erreicht werden.
Wachstumspfad bis 2030
© Commerzbank
"Wir sind mit Ergebnissen auf Rekordniveau ins Jahr gestartet. Das beweist: Unsere Strategie funktioniert – und hat mehr Potenzial als ursprünglich geplant", erklärte Orlopp in der Mitteilung. "Wir wachsen stärker als geplant, und unsere neuen Ziele bis 2030 spiegeln das wider – ehrgeizig und gleichzeitig verlässlich in der Umsetzung. Daran muss sich jede Alternative messen lassen."
Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen
Unterdessen teilte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit, gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat der Commerzbank in kurzfristig angesetzten Verhandlungen mit der Unternehmensleitung "wichtige Schutzregelungen für die Beschäftigten" vereinbart zu haben. Zentraler Bestandteil seien der faktische Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen sowie attraktive Programme für freiwillige Austritte.
"Für uns ist klar: Niemand darf seinen Job gegen seinen Willen verlieren. Deshalb sind die getroffenen Vereinbarungen wichtig, damit niemand ins Bodenlose fällt", sagte Gewerkschaftssekretär Kevin Voß. Er bekräftigte zudem Verdis ablehnende Haltung zu einer möglichen Übernahme durch die Unicredit. Die Gewerkschaft unterstütze weiterhin eine eigenständige Commerzbank.
Abwehrkampf gegen die Unicredit spitzt sich zu
Orlopps fast zweijähriger Kampf um die Unabhängigkeit der Commerzbank tritt in eine entscheidende Phase ein, nachdem die Unicredit in dieser Woche ihr Angebot direkt an die Aktionäre der Commerzbank gerichtet hatte. Bislang gelang es der Vorstandschefin, den italienischen Rivalen durch höhere Profitabilität und steigende Ausschüttungen an die Aktionäre auf Distanz zu halten. Dadurch stieg auch der Aktienkurs der Commerzbank, was eine Übernahme teurer macht.
Die Aktien der deutschen Bank haben sich seit Orlopps Amtsantritt im Oktober 2024 mehr als verdoppelt. Kurz zuvor hatte die Unicredit bekannt gegeben, eine große Beteiligung an der Commerzbank aufgebaut zu haben. Laut Commerzbank hält die italienische Bank rund 27 Prozent der Aktien und kontrolliert weitere neun Prozent über Finanzinstrumente.
Unicredit stellt weitere Einsparungen in Aussicht
Die Unicredit argumentiert, die Profitabilität der Commerzbank durch Einsparungen in Bereichen wie Strategie, Finanzen, Risikomanagement, Compliance und IT steigern zu können. Sollte die Commerzbank unabhängig bleiben und den Plan der Italiener übernehmen, stellt die Unicredit 5.000 Stellenstreichungen in Aussicht. Im Fall einer Fusion seien weitere 2.000 Kürzungen vorgesehen, womit insgesamt 7.000 Arbeitsplätze wegfallen würden.
Das freiwillige Übernahmeangebot, das bis zum 16. Juni läuft, dürfte nach Einschätzung von Marktbeobachtern nur von wenigen Investoren angenommen werden, da der gebotene Preis unter dem aktuellen Börsenwert der Commerzbank liegt. Ziel des Angebots ist es, den Anteil der Unicredit auf etwas mehr als 30 Prozent zu erhöhen, ohne sofort die vollständige Kontrolle zu übernehmen. Ein Überschreiten dieser Schwelle würde ansonsten ein Pflichtangebot auslösen.
Berlin sucht Wege gegen Übernahme
Die deutsche Bundesregierung, die die Übernahme ablehnt, hält mehr als zwölf Prozent an der Commerzbank. Rechtlich hat sie jedoch nur begrenzte Möglichkeiten, die italienische Bank aufzuhalten, falls diese ein überzeugendes Angebot vorlegt.
In der Berliner Regierungskoalition werden laut Insidern Überlegungen lauter, die Staatsbeteiligung an der Commerzbank auszubauen, um eine unerwünschte Übernahme zu verhindern. Nach Angaben von zwei mit den Gesprächen vertrauten Personen prüft die Regierung, über die staatliche Förderbank KfW den Anteil wieder aufzustocken, berichtete die Nachrichtenagentur "Reuters". (mb/bm/Bloomberg)















