36 Prozent faule Kredite: Genobank stimmt für Not-Fusion
Das Bankhaus RSA wird mit der Meine Volksbank Raiffeisenbank fusioniert. Die Mitglieder stimmten für den Zusammenschluss, nachdem der Anteil notleidender Kredite auf ein in der Branche außergewöhnlich hohes Niveau gestiegen war.
Die Mitglieder des genossenschaftlichen Bankhauses RSA haben einer Not-Fusion mit der Meine Volksbank Raiffeisenbank zugestimmt. Das sagte ein Sprecher der Bank am Donnerstag (18.6.) auf Anfrage von "Bloomberg News". Zuvor war das Portfolio fauler Kredite beim Bankhaus RSA auf ein Niveau gestiegen, das in der deutschen Bankenbranche seinesgleichen sucht.
Hoher Bestand notleidender Kredite
Das NPL-Portfolio umfasste zuletzt 446 Millionen Euro, was 36 Prozent des gesamten Kreditvolumens ausmacht, wie das Bankhaus RSA im Vorfeld der für Mittwoch (17.6.) angesetzten Abstimmung erklärt hatte. Vor diesem Hintergrund stützte die Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) die Bank mit einem Stabilisierungspaket im Wert von 112 Millionen Euro.
Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Stützungsfällen im genossenschaftlichen Sektor in den vergangenen Jahren. Über ihre Sicherungseinrichtung versprechen die Genossenschaftsbanken, sich in Krisen gegenseitig zu unterstützen. Hilfe aus der Solidargemeinschaft benötigten unter anderem auch die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden, die Volksbank Dortmund-Nordwest und die Raiffeisenbank im Hochtaunus. Häufig handelte es sich um vergleichsweise kleine Institute, die sich mit Immobilienengagements verspekuliert hatten.
"Fortführung nicht wirtschaftlich tragfähig"
In Krisensituationen werden genossenschaftliche Banken oft mit benachbarten Instituten verschmolzen. Laut BVR-Daten kam das Bankhaus RSA Ende des vergangenen Jahres auf eine Bilanzsumme von rund 1,2 Milliarden Euro.
"Die Analysen im Zusammenhang mit dem Sanierungskonzept zeigen, dass eine Fortführung des Bankhauses RSA in der bisherigen Form in keinem Szenario wirtschaftlich tragfähig ist", erklärte das Institut im vergangenen Monat in einem Schreiben an Mitglieder. Über mehrere Jahre hinweg sei das Bankhaus sehr stark gewachsen. Dies sei jedoch strukturell nicht ausgewogen und nicht ausreichend durch Eigenkapital, Ertragskraft, Risikotragfähigkeit und Organisation abgesichert gewesen.
"In den vergangenen Jahren wurde nicht genügend Ergebnis erwirtschaftet, um das starke Wachstum durch Eigenmittelaufbau abzusichern. Das Bankhaus ist stark vom Zinsgeschäft abhängig, während Provisionserträge nur eine untergeordnete Rolle spielen. Es fehlt ein nachhaltiges Geschäftsmodell", hieß es in dem Schreiben weiter.
Reform des Sicherungssystems beschlossen
Ein wesentlicher Belastungsfaktor für das Bankhaus RSA sei der hohe Anteil notleidender Kredite im Kreditportfolio. Für diese Engagements seien erhebliche Wertberichtigungen erforderlich, die das Eigenkapital unmittelbar belasteten.
Erst in der vergangenen Woche hatte die genossenschaftliche Bankengruppe für eine Reform des gemeinschaftlichen Rettungsschirms gestimmt. Ziel ist es, Risiken bei einzelnen Banken künftig früher zu erkennen, die Handlungsfähigkeit der Sicherungseinrichtung zu stärken, auf Fehlentwicklungen schneller zu reagieren und die Zusammenarbeit der beteiligten Akteure zu verbessern. (mb/Bloomberg)















