Trotz Rekordgewinnen haben die größten Banken der Wall Street im ersten Quartal mehr als 5.000 Stellen abgebaut. Vier der sechs größten US-Banken reduzierten ihre Mitarbeiterzahl in den ersten drei Monaten des Jahres. Besonders deutlich fiel der Abbau bei Wells Fargo aus, wo mehr als 4.000 Stellen gestrichen wurden. JP Morgan Chase und Morgan Stanley bauten hingegen Personal auf.

Insgesamt erzielten die sechs Institute einen Nettogewinn von 47,3 Milliarden US-Dollar, gestützt durch höhere Einnahmen im Handel mit Anleihen und Aktien, da der Krieg im Iran für starke Marktschwankungen sorgte.

Stellenabbau trotz hoher Gewinne
Die Kürzungen betreffen nur einen kleinen Teil der insgesamt mehr als eine Million Beschäftigten der Banken. Dennoch folgen sie auf einen bereits im vergangenen Jahr erfolgten Personalabbau und verstärken die Sorge, dass selbst erfolgreiche Unternehmen künftig kaum neue Stellen schaffen, während sie verstärkt in künstliche Intelligenz investieren, um effizienter zu werden.

"Wir erhöhen unsere Investitionen in Bereiche wie Technologie, einschließlich KI, sowie in Werbung und setzen gleichzeitig unsere Effizienzprogramme fort, was zu 23 aufeinanderfolgenden Quartalen mit sinkender Mitarbeiterzahl geführt hat", sagte Wells-Fargo-Chef Charlie Scharf in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Trend aus dem Vorjahr setzt sich fort
Die jüngsten Kürzungen setzen damit einen Trend aus dem Vorjahr fort, als die größten Banken ihre Belegschaften so stark reduzierten wie seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr.

Üblicherweise treffen Banken Personalentscheidungen im ersten Quartal, wenn auch Bonuszahlungen anstehen. Keiner der Manager stellte in dieser Woche einen direkten Zusammenhang zwischen dem Stellenabbau und dem Einsatz von KI her. Allerdings fiel der Abbau im vergangenen Quartal deutlich stärker aus als ein Jahr zuvor, als die Institute ihre Belegschaft gemeinsam nur um 707 Stellen reduzierten.

KI rückt stärker in den Fokus
"KI eröffnet uns neue Möglichkeiten", sagte Bank-of-America-Chef Brian Moynihan am Mittwoch (15.4.) in einer Analystenkonferenz. "Wir stehen noch am Anfang dessen, was das alles bewirken wird. Aber wir sehen bereits heute konkrete Vorteile."

Seit Jahren baut die Wall Street Personal ab. Mit dem Aufkommen von KI wächst jedoch die Unsicherheit unter Bankern und Händlern darüber, wie sich die Technologie auf ihre tägliche Arbeit auswirken wird. Entsprechend sahen sich Bankchefs in dieser Woche mit zahlreichen Fragen von Analysten konfrontiert, wie sie KI konkret einsetzen. (mb/Bloomberg)