Die Augsburger Aktienbank (AAB) wird den Betrieb ihres Haftungsdaches zum Ende dieses Jahres einstellen. Das teilte der Mutterkonzern LVM auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE mit. "Grund für die Auflösung des Haftungsdachs sind die gestiegenen aufsichtsrechtlichen Anforderungen, die insbesondere durch Mifid II noch deutlich zunehmen werden", so eine Sprecherin des Versicherers.

Derzeit wickeln noch rund 1.600 LVM-Vertreter ihr Investmentgeschäft über die AAB ab. Ende Oktober 2016, also vor gut einem Jahr, hingen noch mehr als 1.700 Vermittler des Konzerns unter dem Haftungsdach der AAB. Wegen des Beschlusses, das Haftungsdach aufzulösen, seien in den vergangenen Monaten keine neuen Vertreter mehr an die AAB angebunden worden, so die Sprecherin. Der Rückgang von rund 100 Vermittlern entspreche "der natürlichen Fluktuation an Agenturen im Bestand durch Übertragungen auf die nächste Generation oder Beendigungen von Vertragsverhältnissen".

LVM-Vertreter vertreiben künftig Fondsvermögensverwaltungen der AAB
Die LVM-Sprecherin betonte, ihr Unternehmen werde den Kunden "auch weiterhin eine kompetente und bedarfsgerechte Beratung in diesem Bereich anbieten", denn mit Blick auf die niedrigen Zinsen sei es wichtig, für die Altersvorsorge und den Vermögensaufbau Investmentlösungen stärker in den Fokus zu rücken. Der Versicherer wird seine Vertreter daher mit internen Schulungen auf die IHK-Prüfung zum Finanzanlagenfachmann vorbereiten. Die Vermittler arbeiten dann nicht mehr unter einem Haftungsdach, sondern mit Erlaubnis gemäß Paragraf 34f Gewerbeordnung (GewO).

Die AAB wird für ihren Mutterkonzern vier neue Vermögensverwaltungs-Strategien auflegen, die die LVM-Vertreter dann vertreiben werden. Für Vermittler, die nur gelegentlich im Investmentgeschäft tätig sind, soll ein Tippgebermodell eingeführt werden. Die Schließung des Haftungsdaches führe weder bei der Augsburger Aktienbank noch bei der LVM zu einem Stellenabbau, so ein Sprecher der AAB auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE.

Einige Gothaer-Vertreter legen die 34f-Sachkundeprüfung ab
Auch bei anderen Haftungsdächern für Versicherungsvertreter ist die Zahl der vertraglich gebundenen Vermittler zuletzt gesunken – obwohl die Versicherer ihr Investmentgeschäft vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen eigentlich stärken wollen. Unter dem Haftungsdach der Gothaer Asset Management beispielsweise hängen derzeit 732 Vermittler, 42 weniger als Ende Oktober 2016.

Dafür gebe es mehrere Gründe, so eine Sprecherin des Kölner Unternehmens. Einige Vermittler hätten inzwischen die für eine Erlaubnis nach Paragraf 34f GewO nötige Sachkundeprüfung abgelegt und würden nun verstärkt als Finanzanlagenvermittler arbeiten. "Andere sind altersbedingt ausgeschieden oder haben die Gothaer aus einem anderen Grund verlassen", so die Sprecherin. "Wir haben keinen Vermittler, der noch bei der Gothaer ist und seine Haftungsdachzulassung 'zurückgegeben' hat."

Deutlicher Rückgang bei der Wüstenrot Bank
Dem Haftungsdach der Wüstenrot Bank haben sich derzeit 2.864 Vermittler des Mutterkonzerns Wüstenrot & Württembergische angeschlossen. Vor gut einem Jahr waren es noch 3.173 gewesen, was einem Rückgang um fast zehn Prozent entspricht. Das Geschäft sei "derzeit von großem Wettbewerb geprägt, auch um starke Vertriebler", so ein Sprecher des Unternehmens. "Die Bewegung ist jedoch gekennzeichnet von einem 'Auf und Ab'. Momentan sind wir dabei, unsere Kapazitäten wieder aufzubauen."

Bei der Axa Bank sank die Zahl der vertraglich gebundenen Vermittler seit Ende Oktober 2016 von 3.184 auf 3.018 Personen, ein Minus von rund fünf Prozent. "Die sich in den letzten Jahren stetig verschärfende Gesetzgebung im Wertpapiergeschäft erhöht auch die Anforderungen an qualifizierte Vertriebsmitarbeiter und Anlageberater", teilte eine Axa-Sprecherin auf Anfrage mit. Letztendlich würden die Axa-Vertreter selbst entscheiden, ob sie im Wertpapiergeschäft unter dem Haftungsdach der Axa Bank tätig sein möchten.

Zuwachs bei DEVK, Signal Iduna und Allianz
Es gibt allerdings auch Haftungsdächer aus der Assekuranz, die großen Zulauf verzeichnen. DEVK Asset Management bietet inzwischen 143 Vermittlern des Kölner Versicherers eine Heimat für ihr Investmentgeschäft. Dieses Haftungsdach war erst Anfang 2017 gegründet worden (FONDS professionell ONLINE berichtete). Und unter dem Dach der Signal Iduna Asset Management arbeiten inzwischen 828 Vermittler, 231 mehr als noch im Oktober 2016.

Den größten Sprung nach vorne machte die Fondsdepot Bank, die als Haftungsdach für die Vertreter der Allianz dient. Inzwischen haben sich diesem Institut 21.808 Vermittler angeschlossen, das sind 2.834 mehr als vor gut einem Jahr. Es wäre jedoch falsch, daraus zu schließen, dass der Münchner Versicherungsriese nun den Fondsvertrieb stärken möchte. Die Fondsdepot Bank betreut die Allianz-Agenturen nämlich erst seit Juli vergangenen Jahres, und es braucht seine Zeit, bis alle Verträge unterschrieben sind. Als noch die Oldenburger Landesbank für die Abwicklung des Wertpapiergeschäfts der Allianz-Vertreter verantwortlich war, lag die Zahl der vertraglich gebundenen Vermittler sogar bei rund 23.000. (bm)


Einen Überblick über die größten Haftungsdächer in Deutschland finden Sie in FONDS professionell 4/2017. Das Magazin wird den Abonnenten in diesen Tagen zugestellt.