Sergio Ermotti, Chef der Großbank UBS, hat Spekulationen zurückgewiesen, das Institut erwäge einen Abschied aus der Schweiz. Die Führung strebe vielmehr einen Kompromiss bei den angedachten Kapitalvorschriften an.

UBS sei eine Schweizer Bank, "und das ist das bestmögliche Ergebnis, und daran arbeiten mein Chairman Colm Kelleher und ich – der Rest ist BS", sagte Ermotti am Donnerstag (20.11.) auf der European Financials Conference von JP Morgan Chase & Co. "Wir haben nie, niemals damit gedroht, das Land zu verlassen. Das ist absurd."

Geplante Reformen könnten 26 Milliarden Dollar kosten
Die UBS-Führung versucht derzeit, die Schweizer Regierung davon zu überzeugen, geplante regulatorische Änderungen abzumildern, die der Bank zusätzliche Kapitalanforderungen von bis zu 26 Milliarden Dollar auferlegen könnten. Das Institut prüft seit Anfang des Jahres Optionen in Bezug auf die Kapitalfrage und soll laut Berichten Gespräche mit US-Finanzminister Scott Bessent über eine mögliche Verlegung des Firmensitzes geführt haben.

Geplante Kapitalregeln würden "für uns nicht funktionieren"
Ermotti betonte zugleich, dass die aktuellen Kapitalvorschläge der Schweizer Regierung, die im kommenden Jahr für die parlamentarische Debatte ausgearbeitet werden, für die Bank nicht akzeptabel seien. "Sie werden für uns nicht funktionieren", sagte er. Zu möglichen Gegenmaßnahmen äußerte er sich nicht und deutete lediglich an, dass die UBS weiterhin alle Optionen prüfe.

Die Nachrichtenagentur "Bloomberg" hatte Anfang des Jahres berichtet, dass die Bank einen möglichen Umzug des Hauptsitzes erwäge.

Leichte Rückendeckung aus dem Parlament
Zuletzt erhielt die UBS vereinzelte Unterstützung aus dem Parlament, nachdem ein einflussreicher Ausschuss Teile der Regierungspläne kritisiert hatte. Im Zentrum der Reformen steht die Anforderung, dass die UBS künftig sämtliche ausländischen Tochtergesellschaften – einschließlich des US-Vermögensverwaltungsgeschäfts und des Investmentbankings – vollständig auf Ebene der Muttergesellschaft mit Kapital unterlegen müsste.

Szenarien reichen von radikal bis technisch
Für den theoretischen Worst Case für die UBS liegen Optionen auf dem Tisch, die von drastischen Schritten – etwa einer Fusion oder Übernahme durch eine Nicht-Schweizer Bank, die einen Wegzug ermöglichen würde – bis zu eher technischen Anpassungen reichen, mit denen über mehrere Jahre ausreichend Kapital bereitgestellt werden könnte.

"Bloomberg" berichtete im September, dass die UBS-Führung derzeit eher wenig Neigung zu radikalen Maßnahmen habe. Eine Abstimmung über die Kapitalreformen wird frühestens 2027 erwartet. (mb/Bloomberg)