Die Athora Deutschland hat nach eigenen Angaben zum ersten Mal eine Variante einer Bestandsübertragung bei in Abwicklung befindlichen Lebensversicherungen – im Fachjargon Run-off" – umgesetzt. Im Gegensatz zu einem klassischen "Run-off", bei dem die Versicherungen entweder intern abgewickelt oder an eine externe Gesellschaft verkauft werden, bietet Athora eine Rückversicherung für die nicht mehr gewünschten Policen an (FONDS professionell ONLINE berichtete ausführlich). 

Die Bestände verbleiben also bei der Versicherungsgesellschaft, Athora übernimmt aber die Risiken und die Kapitalanlagen. Auf diese Weise reicht der Erstversicherer das Risiko, dass er mit den Anlagen nicht die Garantiezinsen erwirtschaftet, an den Rückversicherer weiter. Als Gegenleistung zahlt der Lebensversicherer eine Prämie. "Weil die Kapitalentlastung so groß ist, rechnet sich das", gab Athora-Deutschlandchef Christian Thimann im vergangenen Jahr zu Protokoll. In den USA oder Großbritannien sei das Modell schon längst Standard.

Schaulauf für potenzielle Kunden
Athora hat die Run-off-Variante nun bei internen Beständen eingesetzt – sozusagen in einem Selbstversuch. Im konkreten Fall wurde der Bestand der Hamburger Lebensversicherung rückversichert, der 2015 in die Athora Leben integriert wurde. Die rückversicherte Quote liegt bei 60 Prozent, der Rest verbleibt bei der Hamburger Lebensversicherung.

Branchenkenner haben den Schritt als Schaulauf bezeichnet, um andere Gesellschaften von der Lösung zu überzeugen. Schließlich musste die Finanzaufsicht vorher das Modell absegnen. "Die eingesetzte Rückversicherungslösung wurde eingehend mit der Bafin besprochen und die spezifischen Anforderungen der Bafin wurden entsprechend umgesetzt", schreibt Athora in einer Pressemitteilung. (jb)