Die Deutsche Bank hat auf die für Juli angekündigte Zinsanhebung der Europäischen Zentralbank (EZB) reagiert und am Montag (13.6.) das Ende von Strafzinsen auf Giro- oder Tagesgeldkonto angekündigt. Das berichtet das "Handelsblatt". Zunächst sollen die euphemistisch "Verwahrentgelt" genannten Negativzinsen aber nur auf 0,25 Prozent halbiert werden. Im Herbst sei dann denkbar, dass die Deutsche Bank und die Postbank gar keine Negativzinsen mehr erheben werden. Das Institut sowie die zum Konzern gehörende Postbank verlangen seit Mitte Mai 2020 von privaten Kunden Verwahrentgelte ab 50.000 Euro auf Giro- und Anlagekonten.

Der Grund für das stufenweise Vorgehen sind die Zinsschritte der EZB. Die Höhe der Strafzinsen richtet sich nach den Zinsen, die Banken selbst bei der EZB für das Parken von Geld zahlen müssen. Diese sogenannte Einlagenfazilität wird nun ab Juli von 0,5 auf 0,25 Prozent reduziert, entsprechend werden die aktuellen Verwahrentgelte von 0,5 Prozent halbiert. Im September ist dann laut EZB ein größerer Zinsschritt möglich, so dass die Strafzinsen ganz entfallen würden.

Ab Oktober keine Strafzinsen mehr
"Wenn der Satz der Einlagenfazilität in einem zweiten Schritt auf null oder in den positiven Bereich angehoben wird, werden wir im Privatkundengeschäft kein Verwahrentgelt mehr erheben", teilte ein Sprecher der Deutschen Bank mit. "Der zweite Schritt der EZB wird für September erwartet, so dass Deutsche Bank und Postbank voraussichtlich im Oktober vollständig auf die Erhebung des Verwahrentgelts für ihre Privatkunden verzichten werden."

Neben der Deutschen Bank hat auch die ING angekündigt, auf die Zinsschritte der EZB reagieren zu wollen. Ab dem 1. Juli sollen Negativzinsen für fast alle Privatkunden der Direktbank Geschichte sein. Das Vergleichsportal Verivox hat Anfang Juni sieben Banken gezählt, die die Freibeträge bei der Berechnung von Negativzinsen erhöht oder einen solchen Schritt angekündigt haben. Zwei weitere Institute sehen sogar ganz von Verwahrentgelten ab, wie das "Handelsblatt" schreibt.

Commerzbank zögert noch
Andere Banken zögern noch. Die Commerzbank beispielsweise wolle sich immer noch nicht festlegen, wann sie ihre Verwahrentgelte für Kunden mit hohen Einlagen zurückschrauben wird. Die Bank warte die nächsten EZB-Entscheidungen ab, sagte ein Sprecher des Frankfurter Instituts am Montag auf Anfrage der Wirtschaftszeitung. (jb)