Der einflussreiche Aktionärsberater Institutional Shareholder Services (ISS) probt auf der Hauptversammlung der britischen Fondsgesellschaft Ashmore am kommenden Freitag den Aufstand. Dies berichtet die Wirtschaftszeitung "Financial Times". Die Stimmrechtsberater rufen die Anteilseigner auf, sich gegen Pläne des auf Schwellenländer-Investments spezialisierten Hauses zu wehren, die dem Vorstandschef und Großaktionär Mark Coombs mehr Kontrolle einräumen würden.

Ashmore lässt die Aktionäre über ein Aktienrückkaufprogramm abstimmen. Doch die ISS-Experten stoßen sich an einer Klausel des Entwurfs. Demnach muss sich der öffentlichkeitsscheue Vorstandschef nicht an einem Aktienrückkauf durch das Unternehmen beteiligen. Durch die geringere Zahl der umlaufenden Anteile nach einem Rückkauf würde die Beteiligung von Coombs automatisch wachsen. Dieser hält bereits 38,6 Prozent des Unternehmens.

Kontrolle zum Nulltarif
Die ISS-Spezialisten warnen davor, dass Coombs "schleichend die Kontrolle" bei Ashmore übernehmen könnte – und das praktisch zum Nulltarif. Die britischen Leitlinien für Übernahmen sehen vor, dass große Anteilseigner eines Unternehmens einen Aufschlag zahlen sollten, wenn sie ihre Beteiligung ausweiten. Ashmore schlägt seinen Aktionäre jedoch vor, Coombs eine Ausnahme von diesen Standards einzuräumen. Der Vorstandschef selbst ist wohlhabend: Sein Privatvermögen wird auf 1,6 Milliarden Pfund (rund 1,8 Milliarden Euro) taxiert.

Ashmore wollte sich gegenüber der "Financial Times" nicht zu den Plänen und zu dem Aufruf von ISS äußern. In den Dokumenten für die Hauptversammlung räumt das Haus aber ein, dass die vorgeschlagenen Regeln nicht den Standards entsprechen. Daher soll ein Aktienrückkauf auf maximal fünf Prozent der ausstehenden Anteilscheine begrenzt werden. Selbst wenn Ashmore jedes Jahr fünf Prozent der Aktien zurückkaufen würde, bräuchte es fünf Jahre, bis der Anteil von Coombs die Marke von 50 Prozent überschreiten würde, rechnet das Haus vor.

"Hoher Grad an Verschwiegenheit"
Doch der Aktienrückkauf ist nicht der einzige Kritikpunkt der Stimmrechtsberater. Die Vergütungsregeln des Hauses würden nicht den aktuellen Standards am Markt entsprechen. Verschärfend käme hinzu, dass das Vergütungskomitee des Hauses "einen hohen Grad an Verschwiegenheit" darüber bewahre, wie die Boni zugeteilt würden.

ISS berät weltweit Investoren zu Abstimmungen auf Hauptversammlungen. Mehr als 1.700 globale Großanleger stützen ihre Entscheidungen auf die ISS-Empfehlungen, darunter auch Norwegens Rohstofffonds, der größte Pensionsfonds der Welt. Die Stimmrechtsberater hatten sich 2017 auch beim skandalgeplagten Fondshaus GAM gegen die Vergütungspraxis ausgesprochen und auf der Hauptversammlung der Schweizer diese Bestimmungen schlussendlich auch gekippt.

Der rivalisierende Stimmrechtsberater Glass Lewis hingegen sieht den Aktienrückkauf weniger kritisch, berichtet die "Financial Times". Die Experten glauben nicht, dass Coombs die Regeln ausnutzen werde, um heimlich Ashmore unter seine Kontrolle zu bringen. Sie wollen sich dem Veto von ISS daher nicht anschließen. Dennoch wollen die Berater von Glass Lewis genau verfolgen, wie sich der Großaktionär künftig verhält. (ert)