Aktionärstreffen: Welche deutschen Fondshäuser den KI-Einsatz ausloten
Asset Manager stehen vor der Aufgabe, als Treuhänder für ihre Kunden bei Hauptversammlungen zu votieren. Die meisten greifen auf Berater zurück, manche befragen die Anleger – und ein amerikanisches Haus setzt auf künstliche Intelligenz. Wie halten es die deutschen Fondsanbieter mit der KI?
Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) greift immer weiter um sich – auch in der Fondsbranche. So kündigte der Asset-Management-Ableger der US-Großbank JP Morgan Chase an, dass die Gesellschaft künftig auf ein KI-Werkzeug zurückgreifen will, um seine Haltung auf Hauptversammlungen der Unternehmen zu bestimmen, in deren Aktien die Portfoliomanager investieren. Dafür verzichtet J.P. Morgan Asset Management auf die Dienste klassischer Stimmrechtsberater wie ISS oder Glass Lewis. Die Amerikaner wollen dies vorerst allerdings nur für US-Firmen umsetzen, nicht global.
Das Beispiel könnte gleichwohl Schule machen. Dies könnte die gewichtige Rolle schmälern, die die auch "Proxy Advisor" genannten Beratungsgesellschaften als Einflüsterer in Corporate-Governance-Fragen erlangt haben. Zudem wirft der Schritt die Frage auf, ob deutsche Asset Manager dem Beispiel folgen. FONDS professionell hat mehrere große Fondshäuser aus Deutschland zu ihren Absichten mit Blick auf den Einsatz künstlicher Intelligenz als Stimmrechtsberater befragt. Konkrete Einsatzpläne hat noch keines der Häuser parat.
Experimentierphase
Abstufungen zeigen sich aber bei der Offenheit gegenüber der KI als Stimmrechts-Assistent. "Wir schauen uns das Thema an", berichtet etwa die Dekabank, der zentrale Wertpapierdienstleister der Sparkassen. "Der Einsatz von KI könnte mittelfristig eine Lösung sein." Auch Allianz Global Investors lotet das Feld aus, betont aber: "Während wir die Einsatzmöglichkeiten von KI im Stimmrechtsvertretungsprozess analysieren, greifen wir aktuell weiterhin auf die Dienste von Proxy Advisors zurück." Wichtig dabei sei, dass diese ausschließlich nach den hauseigenen Richtlinien und Vorgaben von Allianz Global Investors aktiv werden.
Neben dem Einsatz von künstlicher Intelligenz befragten einzelne Investmenthäuser auch ihre Kunden, welche Positionen sie auf Hauptversammlungen vertreten sollen – insbesondere mit Blick auf Nachhaltigkeitsfragen. Welche Erfahrungen die Gesellschaften gesammelt haben, lesen Sie in der vollständigen Version dieses Artikels, der in Heft 1/2026 von FONDS professionell erschienen ist. Angemeldete Nutzer finden den Beitrag auch hier im E-Magazin.
Die DWS betont ebenfalls, dass ISS sowie Glass Lewis mit seiner deutschen Landesgesellschaft Ivox auf Basis der DWS-eigenen Abstimmungsrichtlinie "die jeweiligen Tagesordnungen analysieren und uns entsprechende Empfehlungen vorbereiten", so die Deutsche-Bank-Tochter. "Wie viele unserer Wettbewerber testen und experimentieren wir breit", teilte der Anbieter zudem mit. "Unsere Teams nutzen KI-Produktivitätswerkzeuge." Bisher sehe das Haus vor allem Effizienzgewinne statt einer Alpha-Generierung. "Nichtsdestotrotz sind wir überzeugt, dass dies der notwendige erste Schritt ist, um langfristige Fähigkeiten aufzubauen."
"Von großem Wert"
Bei Union Investment, dem zentralen Fondsanbieter der Genossenschaftsbanken, wiederum gibt es bei diesem Thema bisher keine Überlegungen für einen KI-Einsatz. "Glass Lewis und ISS sind von großem Wert für unser Abstimmungsverhalten, auch in den USA", sagt Henrik Pontzen, der bei der Union die Abteilung ESG im Portfoliomanagement leitet. "Ihre Expertise und Datenschätze sind schwer zu ersetzen."
Stimmrechtsberater hätten die Fähigkeit, "komplexe Themen marktgerecht einzuordnen", so Pontzen. "Sie gewährleisten dadurch Konsistenz im Abstimmungsverhalten und Verlässlichkeit für Unternehmen weltweit", erläutert der Union-Investment-Experte. "Zusätzlich bieten Stimmrechtsberater eine unabhängige, überprüfbare Governance-Infrastruktur, die die treuhänderischen und regulatorischen Verpflichtungen institutioneller Anleger erfüllt – eine Rolle, die KI bisher nicht übernehmen kann", argumentiert der Nachhaltigkeitsverantwortliche. (ert)














