Wer heute über Google eine Versicherungspolice sucht und kauft, bezahlt die weltgrößte Suchmaschine gleich mit. Denn Onlineplattformen wie Google oder auch Amazon kontrollieren und vermarkten den Kundenzugang zu Versicherungsportalen. Im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" konstatiert Allianz-Chef Oliver Bäte: "Um den Versicherungsprofit zu bekommen, muss man kein Versicherer sein." 

Dennoch wolle man die Neukundengewinnung nicht  den amerikanischen "Big Tech"-Konzernern überlassen. Auch betriebswirtschaftlich mache das keinen Sinn: So sei es überproportional teuer für Versicherer, einen Kunden über Google für eine Police zu gewinnen. Versuchten sie etwa, Verbrauchern eine Autoversicherung über die Suchmaschine zu verkaufen, koste dies klassische Anbieter schon heute bis zu 100 Euro, rechnet Bäte vor. Über einen angeschlossenen Vertreter seien es im Schnitt nur 70 bis 80 Euro. Google hole sich schon heute "einen Großteil der Wertschöpfung ab, weil sie unglaublich viel über die Kunden wissen", beobachtet Bäte. 

Markenstärkung und neue Technologien sind entscheidend für Versicherer
Die Allianz versucht, sich mit der Digitaltochter "Allianz Direkt" konsequent von Google und Amazon unabhängig zu machen. Der Dax-Konzern will die eigene Marke stärken und neue Technologien vorantreiben, sodass Kunden auch ohne Suchmaschinen den Zugang zu der Versicherung finden. Dieser Schritt sei jedoch nicht einfach: "Versicherer, die nicht innovativ und nicht schnell sind, und denen es an Größe mangelt, werden es schwer haben", sagt Bäte. (fp)