Die Allianz Lebensversicherung senkt den Rechnungszins, der eine entscheidende Größe für die Berechnung des garantierten Rentenfaktors ist, bei ihrer Privatrente von 1,75 auf 1,25 Prozent. Betroffen sind Kunden in bestimmten Tarifen, bei denen ab März dieses Jahres die Auszahlphase beginnt. Kunden, die bereits eine Rente von dem Versicherer beziehen, bleiben außen vor, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Von dem Schritt seien rund 750.000 Versicherungsnehmer betroffen. Da die Allianz mit einem Marktanteil von 30 Prozent der Branchenprimus ist, dürfte der Schritt eine Signalwirkung für die Branche haben. 

Der Rentenfaktor legt fest, wie hoch die Ruhegelder eines Anlegers am Ende der Ansparphase sind. Dieser hängt unter anderem vom Alter der Kunden und dem Rentenbeginn ab und liegt nach der Anpassung in typischen Konstellationen bei circa 30. Der Wert 30 bedeutet einem Allianz-Sprecher zufolge, dass sich aus 100.000 Euro Kapital am Rentenbeginn eine monatliche garantierte Rente von 300 Euro ergebe. Hinzu komme noch ein Betrag aus der Überschussbeteiligung. 

Ziel: Höhere Überschüsse
Der Grund für eine Senkung von Rentenfaktoren sind in der Regel Änderungen der Sterbetafeln. Wenn die Menschen länger leben, muss ein Versicherer das angesparte Kapital der Kunden länger am Kapitalmarkt anlegen. Hinzu kommen die niedrigen Zinsen, mit denen ein Allianz-Sprecher den Schritt der SZ zufolge begründete.

Wegen der Garantie für die Renten sind Versicherer gezwungen, in sicherere Assets wie Staatsanleihen zu investieren, die keine oder oder sogar negative Verzinsungen bieten. Die Allianz möchte der SZ zufolge mit der Senkung des Rentenfaktors daher vor allem erreichen, dass sie weniger Kapital in die Null-Zins-Anlagen schieben muss, dafür aber mehr in Aktien oder Immobilien, um eben höhere Überschüsse zu erzielen.

Zuletzt vor vier Jahren
Einen solchen Schritt hatte der Versicherer zuletzt vor vier Jahren getan. Damals machte die Allianz publik, dass der Rechnungszins für den Rentenfaktor bei Fondspolicen und der "Indexselect"-Reihe von 2,75 oder 2,25 Prozent auf eben 1,75 Prozent gesenkt werde. "Wenn wir nicht handelten, müssten wir noch mehr Geld in sichere Anleihen investieren, es damit dem Kapitalmarkt entziehen und hätten geringere Renditechancen", argumentierte schon damals ein Sprecher. (jb)


Anmerkung der Redaktion: In der ersten Version des Textes gab es eine Verwechslung zwischen dem Rentenfaktor und dem Rechnungszins, der neben den Sterbetafeln eine entscheidende Größe bei der Berechnung des Rentenfaktors ist. Der Fehler wurde korrigiert.