Die Allianz geht aus der digitalen Defensive: Der Versicherungskonzern wird in Deutschland noch in diesem Jahr einen eigenen Online-Versicherer an den Markt bringen. Zudem wird derzeit ein Strauß an innovativen Policen getestet, mit denen sich das Unternehmen auf die Veränderungen einstellt, welche die individuelle Mobilität mit sich bringt. Dies berichten die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ.)

Der Internet-Versicherer Allianz Direct soll in Deutschland ab Herbst 2019 verfügbar sein. Dies habe Konzern-Finanzchef Giulio Terzariol bei der Präsentation der Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2019 angekündigt, schreibt die SZ. Gleichzeitig werde Allianz Direct auch in den Niederlanden, 2020 außerdem in Italien und Spanien an den Markt gehen. Andere Länder sollen folgen.

Geringe Kostenquote
Der neue Direktversicherer der Allianz solle mit einer Kostenquote von zehn Prozent bis zwölf Prozent der Prämie auskommen, berichtet die SZ. Das ist wenig. Die Kostenquote der traditionellen Allianz-Versicherung liegt der Zeitung zufolge bei 25 Prozent. Zudem soll Allianz Direct 90 Prozent aller Schadenmeldungen innerhalb von 24 Stunden bearbeiten.
 
Die Allianz sei bereit, in den ersten Jahren auf Gewinne zu verzichten, habe Terzariol erklärt. Der versicherungstechnische Gewinn sei zu Beginn nicht entscheidend. Dies könnte der SZ zufolge als Zeichen für eine künftige "Konkurrenzschlacht" im Kfz-Versicherungsmarkt mit Huk 24, der Online-Tochter des Marktführers Huk-Coburg, gewertet werden.
 
"My Mobility" jenseits der Alpen im Test
Die Allianz will sich außerdem auf den aktuellen Trend einstellen, der vom Eigentums- und Vermögensschutz weg und hin zur Absicherung der individuellen Mobilität führt. Dies sagte Axel Theis, im Konzernvorstand der Allianz für das Deutschland-Geschäft zuständig, der FAZ. Dafür sei in Italien unter dem Namen "My Mobility" gerade eine neue Police im Markttest, die Kunden per App auch "last minute" auf dem Smartphone abschließen können. 

"Es ist eine Mischung aus Reiseversicherung und Assistance-Dienstleistung", zitiert die FAZ Theis. Die Police soll voraussichtlich zwischen einem und fünf Euro pro Tag kosten. Dafür wird sie dem Kunden kompletten Versicherungsschutz auf Reisen bieten, auch wenn er dabei Car- oder Bikesharing nutzt. Nach abgeschlossener Testphase werde das Produkt früher oder später auch in Deutschland angeboten.
 
Policen für das autonome Fahren
Schon seit einiger Zeit bietet die Allianz deutschen Kunden auch sogenannte Telematik-Tarife an. Diese gewähren Autofahrern einen Bonus, wenn sie umsichtig und unfallfrei unterwegs sind und ihren Fahrstil von einer App überwachen lassen. Auf die nächste große Veränderung im Mobilitätsgeschäft, das autonome Fahren, bereite sich die Allianz nach den Worten von Theis ebenfalls vor, schreibt die FAZ.

Im zweiten Quartal 2019 steigerte der Versicherungskonzern seinen operativen Gewinn um 5,4 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Für das volle Jahr erwartet Terzariol der SZ zufolge einen operativen Gewinn in Höhe von zwölf Milliarden Euro. (am)