Der Internet-Gigant Amazon hat einst mit Büchern angefangen. Mittlerweile stehen Kunden auch Kleidung, Elektronikgeräte und Lebensmittel zur Auswahl – und bald wahrscheinlich auch Versicherungen. Laut einer Pressemitteilung des Softwareunternehmens Guidewire plant Amazon, in Großbritannien ein entsprechendes Vergleichsportal zu starten, noch aber ohne eigene Policen. Über entsprechende Gerüchte hatten internationale Medien bereits im Sommer berichtet. Nun scheint es aber konkreter zu werden, wenngleich ein Starttag immer noch nicht bekannt ist. Das Team von Unternehmenschef Jeff Bezos wirbt jedenfalls fleißig Versicherungsexperten bei anderen Firmen ab.

Die Branche schaut sicher mit Interesse auf das Projekt, da nicht zu erwarten ist, dass Amazon sich nur auf Großbritannien konzentrieren wird. Der Angriff auf andere europäische Märkte dürfte folgen. Für Vermittler, aber auch für die deutschen Vergleichsportal-Platzhirsche wie Check24 und Verivox stellt der Online-Riese eine Gefahr dar: Amazon hat schon jetzt Zugriff auf eine riesige Kundenbasis. Zudem kann es anhand der dadurch gesammelten Daten mit passenden Vorschlägen für Policen aufkommen.

Was hat Amazon genau vor?
Laut Guidewire wird die Gesellschaft mit etablierten Versicherern kooperieren. Viele dieser fürchten aber, dass Amazon zunächst einmal mittels des Portals analysieren wird, welche Versicherungen überhaupt gefragt sind, um dann nur diese anzubieten. Damit könnten Versicherer, die diese Produkte nicht haben, in die Röhre schauen. Eine Variante wäre, dass Amazon lediglich seinen Namen für Versicherungen hergibt, als Risikoträger aber einen anderen Anbieter wählt. 

Allerdings ist Amazon bereits im  Assekuranzbereich unterwegs. Das Unternehmen hält eine Beteiligung von rund 16 Millionen US-Dollar am Online-Versicherer Acko. Die Deutsche Familienversicherung will zudem als erster Versicherer in Deutschland den Amazon-Sprachassistenten "Alexa" als Vertriebskanal der Zukunft nutzen. Interessenten sollen bald Verträge über Alexa abschließen können, berichtete das "Handelsblatt" unlängst.

Asset-Management-Zunft in Alarmbereitschaft
Auch die Fondsbranche könnte künftig vom Onlinehändler aufgemischt werden. Amazon ist schon heute theoretisch "bestens aufgestellt", um Fonds an Privatanleger zu verkaufen, schreiben Analysten des Research-Anbieters Bernstein in einer Studie. Demnach bringt Amazon mit den rund hundert Millionen Abonnenten seines "Prime"-Dienstes die ideale Kundenbasis mit. "Angesichts der Profitabilität der Asset-Management-Industrie erscheint ein Einstieg ins Fondsgeschäft durchaus denkbar", so Analyst Edward Houghton gegenüber dem Branchendienst "Financial News". (fp/jb)