Die meisten europäischen Kreditinstitute stehen robust da. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Schweizer Ratinggesellschaft Independent Credit View. "Banken verfügen über eine nachhaltige Ertragskraft und Kapital auf einem ordentlichen oder guten Niveau", sagt Michael Dawson-Kropf, Co-Autor der Studie. Allerdings gibt es Ausnahmen. Deutsche und italienische Banken sowie die Schweizer Großbank Credit Suisse weisen "strukturelle Probleme" auf, so die Analysten.

In der Studie klopften die Experten zunächst die Ausgangslage der Institute ab. Dann unterzogen sie die Banken einer Art Stresstest, etwa mit Blick auf einen möglichen Immobilienpreisverfall nach den Boomjahren am Häusermarkt oder einen Konjunktureinbruch. Zudem untersuchten sie die Auswirkungen der Zinswende sowie künftige Entwicklungen wie verschärfte regulatorische Kapitalanforderungen.

Stresstest bestanden – einige nur knapp
Eine Erkenntnis aus den Untersuchungen bestätigt das sich bislang abzeichnende Bild: Die Corona-Pandemie hat Europas Geldhäusern keinen ernsthaften Schaden zugefügt, eher im Gegenteil. "Eine Vielzahl von Instituten weist eine bessere Kreditqualität aus als 2019", sagt Dawson-Kropf. "Denn die Jahre 2020 und 2021 waren durch die Covid-19-Rezession und eine schnelle, fiskal- und geldpolitisch unterstützte Erholung geprägt."

Eingedenk der durch Krieg, Inflation und Zinswende drohenden Rezession sowie der überhitzten Immobilienmärkte unterzogen die Schweizer Bonitätswächter die Banken zudem einem Stresstest. "Die Banken im Universum überstehen den Stresstest – einige jedoch nur knapp", meint Dawson-Kropf. Angesichts der geringen Transparenz über Kreditstandards und Portfoliozusammensetzung seien die Ergebnisse des Tests aber nur in einer Gesamtbetrachtung einer Bank zu berücksichtigen, schränkt der Experte ein.

Zwei Lager
Über einen längerfristigen Zeitraum von rund acht Jahren gesehen teile sich die Bankenlandschaft in zwei Lager, so die Analysten: In profitable Banken in robusten Volkswirtschaften mit konzentrierten Bankensystemen, die über ein solides Geschäftsmodell verfügen. Auf der anderen Seite stehen unprofitable Banken in schwächeren Volkswirtschaften oder fragmentierten Märkten, die Geschäftsmodelle in Transformation oder schwache Marken aufweisen.

"Mit Blick auf Rentabilität und Kapital fallen deutsche und italienische Banken ab", halten die Experten fest. "Die Kapitalsituation präsentiert sich mit wenigen Ausnahmen, beispielsweise Deutsche Bank oder Commerzbank, in guter Verfassung." Letztendlich würden aber erhebliche Risiken im geopolitischen und makroökonomischen Bereich verbleiben, die die Erwartungen für eine stabile Entwicklung der Finanz- und Risikoprofile kippen können, warnen die Studienautoren. (ert)