Analyse: Vermögensverwalter verdienen deutlich mehr
Die Branche der Vermögensverwalter in Deutschland ringt mit steigenden Kosten und einem zunehmenden Konsolidierungsdruck. Dennoch konnten die Anbieter die Überschüsse deutlich steigern, wie eine Auswertung von App Audit zeigt. Zudem räumen die Experten einen Verdacht aus.
Die großen Vermögensverwalter in Deutschland haben ihr Provisionsergebnis sowie den Jahresüberschuss teils deutlich steigern können. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft App Audit. Die Experten betrachteten die 55 größten Vermögensverwalter in Deutschland, die teils auch ein Fondsgeschäft betreiben.
Die Auswertung bezieht sich allerdings auf das Geschäftsjahr 2024, für das ausreichend Geschäftsberichte vorliegen. Die Anbieter dürften somit von einer guten Kapitalmarktentwicklung in dem Jahr profitiert haben. App Audit untersucht nunmehr zum zwölften Mal die Kennzahlen der Branche.
Deutlicher Zuwachs
Die Analysten betrachteten dabei die fünf größten Unternehmen Flossbach von Storch, Fisher Investments, Acatis, DJE Kapital sowie Lupus Alpha separat. Bei vier Anbietern legte das Provisionsergebnis sowie der Jahresüberschuss im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu. Lediglich Lupus Alpha musste bei beiden Kennzahlen einen leichten Rückgang hinnehmen. Das Provisionsergebnis je Mitarbeiter fällt sehr unterschiedlich aus. Hier stehen Flossbach von Storch und Acatis an der Spitze.
Große Bandbreite
Beide Häuser weisen zudem ein Aufwand-Ertrags-Verhältnis (Cost-Income-Ratio) von 14 respektive 21 Prozent auf. Auf der anderen Seite steht Fisher Investments mit 89 Prozent. Die Kennzahl gibt an, wie viele Cent notwendig sind, um einen Euro Ertrag zu erzielen. Je niedriger der Wert, desto besser. Bei allen fünf Unternehmen sind im Vergleich zum Vorjahr die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen gestiegen. Zudem stieg die Zahl der Mitarbeiter.
Auch beim Blick auf die folgenden Top-50-Vermögensverwalter in Deutschland offenbart sich ein Anstieg der Provisionsergebnisse. Die Bandbreite ist jedoch groß und reicht von 4,2 bis 35,7 Millionen Euro. Der Durchschnitt liegt bei 10,5 Millionen Euro. Ähnlich sieht es beim Provisionsergebnis je Mitarbeiter aus, das sich von 150.000 Euro bis 1,4 Millionen Euro erstreckt. Auch der durchschnittliche Jahresüberschuss liegt mit 2,45 Millionen Euro deutlich über dem Vorjahreswert von 455.000 Euro.
Kostenanstieg kompensiert
Die Cost-Income-Ratio, die App Audit hier als Verwaltungsaufwendungen im Verhältnis zum Provisionsergebnis definiert, liegt im Schnitt bei 68 Prozent und fällt damit besser aus als im Vorjahr, als sie bei 79 Prozent lag. Ausschlaggebend für die Verbesserung sei vor allem der Anstieg der Provisionsergebnisse, der stärker ausfiel als der Anstieg der Verwaltungsaufwendungen. Letztgenannte dürften eingedenk der hohen regulatorischen Anforderungen, die einen erheblichen bürokratischen Aufwand mitbringen, auch künftig zunehmen.
Vor diesem Hintergrund gehen viele Branchenbeobachter davon aus, dass der Kostenanstieg insbesondere kleinere Anbieter trifft und eine Konsolidierung befeuert. Die Experten von App Audit legen jedoch ein Veto ein. "Die Vermutung, dass höhere Fixkosten insbesondere für kleinere Anbieter eine ungünstigere Kostensituation und damit eine schlechtere Cost-Income-Ratio bedeuten könnten, bestätigt sich durch die Auswertungen nicht", stellen die Autoren um Firmengründer Jürgen App fest. "Es ist keine Korrelation der Cost-Income-Ratio mit der Größe der Unternehmen ersichtlich."
Zunehmende Konsolidierung
Gleichwohl beobachten auch die Experten von App Audit, dass eine Konsolidierung an Fahrt gewinnt. "Mittlerweile finden jährlich mehrere Transaktionen statt, welche die Branchenkonsolidierung befördern", notieren die Autoren. Mehrere Anbieter hätten sich hier positioniert. Die Modelle würden von der Übernahme einzelner Teams und Kunden bis hin zum Kauf und der Integration ganzer Unternehmen reichen. Daneben hätten sich Holdinggesellschaften etabliert, die mehrere Vermögensverwalter unter einem Dach vereinen, wie auch FONDS professionell berichtete.
Als Spitzenreiter unter den Top-50-Vermögensverwaltern, gemessen am Provisionsergebnis, erwies sich 2024 HRK Lunis. Darauf folgen Eyb & Wallwitz, Prime Capital sowie Hartz, Regehr & Partner sowie Capitell Vermögensmanagement. Auf Rang sechs steht BIT Capital, gefolgt von HQ Trust, Aramea Asset Management, VM Vermögensmanagement sowie Werther und Ernst Vermögensverwaltung. (ert)















