Stuart Graham, Mitgründer und Partner des Londoner Analysehauses Autonomous, hat vor drei Jahren eine vernichtende Einschätzung über Deutschlands führendes Geldinstitut abgegeben. "Deutsche Bank: Beyond repair" ("nicht mehr zu retten") lautete die Überschrift seines damaligen Reports. Zu Beginn dieses Jahres bekräftigte Graham seine Negativsicht noch und riet Anlegern von der Aktie des Instituts ab. Nun rudert der Analyst zurück, berichtet das "Handelsblatt". Der Grund: Seit Jahresbeginn hat sich die Aktie der Deutschen Bank besser entwickelt als die meisten Titel der Konkurrenz. 

Graham, der für seine kritischen Studien bekannt ist, gibt sich in einer Analyse vom 30. November geradezu zerknirscht. "Im Rückblick war unsere Underperformance-Einschätzung für die Deutsche Bank ein sehr schlechter Ratschlag", schreibt er. Der Autonomous-Experte leistet deshalb Abbitte bei Investoren und erklärt, dass er sich bei der Einschätzung des Deutsche-Bank-Papiers zu sehr auf Einzelheiten fokussiert und dadurch das große Ganze aus den Augen verloren habe. Vielsagender Titel seiner Analyse: "Mea culpa" – "Meine Schuld".

Kursziel bleibt niedrig
Negativ-Einschätzungen können für Aktienanalysten gefährliche Folgen haben. Im Sommer bekam eine Analystin des Finanzdienstleisters Kepler Cheuvreux anonyme Drohbriefe, nachdem sie die Anteilscheine zweier Unternehmen aus dem Einzelhandel kritisch kommentiert hatte. Womöglich gibt sich Graham auch deshalb demonstrativ einsichtig. In seiner jüngsten Analyse listet er laut "Handelsblatt" fünf Punkte auf, von denen die Deutsche Bank profitiert, darunter die Entwicklung der Risikovorsorge und die stabile Situation im Anleihehandel.

In einem Punkt macht Graham indes keine Konzessionen: Er beurteilt die Aktie der Deutschen Bank nach wie vor mit "underperform", also unterdurchschnittlich. Auch das Kursziel hat er nur minimal angehoben, von 5,34 Euro auf 5,70 Euro. Dem jüngsten Kurs-Plus scheint er also nicht ganz zu trauen. Derzeit steht die Aktie des Geldhauses bei rund 9,50 Euro. (fp)