Nach mehr als einem Jahr Homeoffice waren viele Angestellte trotz der Vorteile in diesem Frühjahr froh, wieder ins Büro zurückkehren zu dürfen. Das hat seine Gründe: Eine Langzeitstudie über Arbeits- und Organisationspsychologe an der Universität Leipzig zeigt, dass mehr als ein bis zwei Tage die Woche im Homeoffice Angestellten nicht guttun. "Generell kann man sagen, dass nach ein bis zwei Tagen die Zufriedenheit von Mitarbeitern im Homeoffice abnimmt", sagt Organisationspsychologe und Studienleiter Hannes Zacher in einem Interview mit der "Wirtschaftswoche" (Wiwo). "Das hat damit zu tun, dass sie auch unproduktiver werden, weil sie leichter abgelenkt sind, und es schwieriger wird, mit den Kollegen zu kommunizieren und sich zu koordinieren."

Für die Studie begann Zacher Ende 2019 damit, nahezu 1.000 Erwerbstätige nach ihrer psychischen und physischen Gesundheit zu befragen. Die Arbeit von zu Hause aus hat den Teilnehmern zwar auch Vorteile gebracht, zum Beispiel mehr Flexibilität und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Dennoch fehle es vielen Angestellten im Homeoffice an Struktur. "Im Büro gibt es dagegen soziale Taktgeber, wie der Gang in die Kantine oder gemeinsame Meetings vor Ort. Ohne solche Taktgeber lassen sich Menschen leichter ablenken", erklärt Zacher gegenüber der Wiwo.

Mehr Konflikte im Team
Auch auf die Arbeit in Teams hat Telearbeit einen schlechten Einfluss, zeigt die Studie. "Die im Büro haben das Gefühl, die anderen machen sich eine schöne Zeit zuhause – und die im Homeoffice haben ein schlechtes Gewissen oder zumindest die Befürchtung, dass die anderen so über sie denken", sagt Zacher. Das führe dazu, dass Mitarbeiter von zu Hause aus oft abends länger am Schreibtisch sitzen und auch am Wochenende arbeiten. Außerdem arbeiten Angestellte von zu Hause aus ungesünder, warnt Zacher. Viele ernähren sich zu Hause ungesünder und haben eine schlechtere IT-Ausstattung als im Büro. (fp)