Martin Hüfner ist am Samstag im Alter von 77 Jahren seiner schweren Krankheit erlegen. "Martin war ein feiner Mensch, den wir sehr vermissen werden. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie", so Rüdiger Sälzle, Vorstand des Analysehauses Fondsconsult Research, dessen Aufsichtsratsvorsitzender Hüfner seit mehr als zehn Jahren war.

Sälzle hebt hervor, dass Hüfner seine Gedanken und Thesen stets sachlich und unprätentiös mitteilte – "ohne jegliche Eitelkeit und Selbstdarstellung". Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) spricht in einem Nachruf von "einer beneidenswerten Fähigkeit, komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge einer interessierten Öffentlichkeit nahezubringen". Hüfner habe es verstanden, "theoretisches Wissen mit einer exzellenten Kenntnis der Wirtschaftspraxis" zu verbinden. Auch FONDS professionell ONLINE veröffentlichte regelmäßig seine Kolumnen.

Erst Journalist, schließlich Chefvolkswirt
Hüfner, Jahrgang 1942, ließ sich zunächst bei der Mainzer "Allgemeinen Zeitung" zum Journalisten ausbilden. Sein Volkswirtschaftsstudium in München und Paris schloss er mit einer Promotion ab. Dann machte er bei verschiedenen Kreditinstituten Karriere. Nach Stationen bei der Deutschen Bank wurde er 1988 Chefvolkswirt der Bayerischen Vereinsbank in München. 2001, nach dem Zusammenschluss des Instituts mit der Hypotheken- und Wechselbank, bekleidete er diese Position bis 2005 bei der fusionierten Hypovereinsbank. Seit dem Jahr 2009 bis zuletzt war er Chefvolkswirt der Assenagon-Gruppe.

Der Ökonom habe sich stark für die soziale Marktwirtschaft engagiert, schreibt die FAZ. "Unermüdlich forderte er eine Wirtschafts- und Finanzpolitik in ihrem Geiste ein." Ebenso sei er ein engagierter, aber nicht unkritischer Wegbegleiter der Europäischen Währungsunion geblieben. "Er verschloss seine Augen nicht vor den ernsthaften Problemen, die in der Euro-Krise aufbrachen, aber er wehrte sich entschieden gegen Versuche, der Währungsunion kaum verhüllten Nationalismus oder unverhülltes Katastrophengerede entgegen zu setzen", so die Zeitung. (bm)