Die Finanzaufsicht Bafin mahnt Banken, in der aktuellen Krise auf ihr Kapital zu schauen und dieses zusammenzuhalten. Daher empfehlt sie den Geldhäusern, keine Aktienrückkäufe zu tätigen und die Ausschüttungen an Anleger genau abzuwägen. Gleiches gilt für Boni. "Wir raten Finanzinstituten, mit vorhandenen Kapitalressourcen sehr sorgfältig umzugehen", betont Bafin-Präsident Felix Hufeld laut einem Bericht im "Handelsblatt". Zudem möchte die Behörde die Banken entlasten.

Auch die schwedische Finanzaufsicht empfiehlt den von ihr beaufsichtigten Banken und Kreditfinanzierern, ihren Aktionären die Streichung der Dividende vorzuschlagen. Der französische Finanzminister Bruno LeMaire ging dem Handelsblatt zufolge noch einen Schritt weiter und riet sogar allen Firmen, mit Dividendenzahlungen vorsichtig zu sein.

Die Deutsche Bank hat ihre Dividende für 2019 wegen des Konzernumbaus allerdings ohnehin gestrichen. Die Commerzbank dagegen hält bislang an ihrer Ausschüttung fest. Aktuell sei eine Dividende von 15 Cent je Aktie geplant, so die Wirtschaftszeitung. Finanzvorständin Bettina Orlopp habe sich aber ein Hintertürchen offen gelassen: "Die Entscheidung trifft letztendlich die Hauptversammlung", wird sie vom Handelsblatt zitiert. Hinzu kommt, dass offen ist, ob das Aktionärstreffen der zweitgrößten deutschen Geschäftsbank am 7. Mai überhaupt stattfinden kann.

Flexiblere Auslegung von Kreditrichtlinien
Die Bafin mahnt aber nicht nur, sie bietet konkrete Hilfestellungen. "Das bestehende Regelwerk ermöglicht ein hohes Maß an aufsichtlicher Flexibilität, die wir umfassend nutzen", erläutert Hufeld der Presse. Das bezieht sich unter anderem auf den Umgang mit sogenannten faulen Krediten, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet. Die internationalen Bilanzierungsregeln (IFRS-9) zwingen die Geldhäuser eigentlich dazu, schnell und umfassend Risikovorsorge zu treffen, sobald sich die Bonität eines Schuldners verschlechtert. Dies lasse die Kapitalpolster der Banken abschmelzen und verringert so ihre Fähigkeit, weitere Darlehen auszureichen.

Ein Schuldner sei aber nicht zwingend als ausgefallen einzustufen, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet werden, erläuterte nun die Bafin. Zudem riet sie den Instituten, die Übergangsregeln zu IFRS 9 anzuwenden. "Wir empfehlen den Banken, dass sie ihre Mittelfristbetrachtung stärken", sagte der oberste Bankenaufseher der Behörde, Raimund Röseler der Presse. Bei  Zahlungsverzügen wegen der Krise sollten sie auch die staatlichen Maßnahmen zur Milderung der wirtschaftlichen Folgen berücksichtigen.

Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) begrüßte die angekündigte flexiblere Einstufung von notleidenden Krediten, die Unternehmen und Kreditinstituten helfe. "Angesichts der abzusehenden Belastungen der Wirtschaft durch den erheblichen Einnahmeausfall ist dies eine gebotene Maßnahme", sagte eine Sprecherin gegenüber Reuters. Die Sparkassen sprachen von einem Schritt in die richtige Richtung. (jb)