Das dritte Quartal war für Europas Bankhäuser überraschend erfreulich. Das verleitet viele Häuser dazu, sich in "trügerischer Sicherheit" zu wiegen, beobachtet die deutsche Finanzaufsicht Bafin. Sie sieht eine Welle an Kreditausfällen auf die Institute zurollen und warnt vor zu viel Unbekümmertheit. "Die Coronakrise wird für viele Banken noch schmerzhafte Folgen haben", mahnte Exekutivdirektor Raimund Röseler auf einer Veranstaltung des "Handelsblatt". Bereits im September forderte er die Geldhäuser auf, Kosten zu senken und auf Dividendenausschüttungen aoch 2021 zu verzichten, um sich auf steigende Belastungen vorzubereiten.

So lautet auch die aktuelle Ansage der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) an Europas Geldhäuser. Geht es nach Röseler, dann bleibt es bis auf Weiteres dabei. "Wir werden auch im Dezember mindestens dazu mahnen, dass man sehr zurückhaltend ist, wenn es darum geht, Kapital aus dem System abzuziehen. Das gilt für Dividenden, und das gilt natürlich auch für Boni", betonte er auf der Veranstaltung. "Wir erwarten da allergrößte Zurückhaltung."

Faule Kredite belasten Bankbilanzen
Die Bankenaufseher der EZB gehen im schlechtesten Fall von einem Anstieg der ausfallgefährdeten Kredite in den Bankenbilanzen auf bis zu 1,4 Billionen Euro aus, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Laut aktueller Statistiken beinhalten die Bilanzen der Banken bereits jetzt rund 503 Milliarden Euro an faulen Krediten. Für die Wirtschaft sei das ein großes Problem, zitiert die FAZ den Chef der EZB-Bankenaufsicht, Andrea Enria. Denn je stärker faule Kredite Bilanzen und Eigenkapital belasten, desto mehr sinkt die Fähigkeit und Bereitschaft der Banken, Kredite zu vergeben. Das sei laut Enria aber nötig, um lebensfähige Haushalte, kleine Geschäfte und Unternehmen zu unterstützen. (fp)