Hendrik Riehmer half dabei, den zweitältesten Kreditgeber der Welt von einem Vermögensverwalter für wohlhabende Familien in eine Investmentbank zu verwandeln, die in London und New York um Deals konkurriert.

Am Freitag (19.6.) endete sein Aufstieg abrupt, als der geschäftsführende Gesellschafter der Berenberg Bank von der Finanzaufsicht Bafin zusammen mit zwei Kollegen faktisch abgesetzt wurde. Dem Schritt seien Hinweise auf "mögliche Corporate-Governance-Verstöße" vorausgegangen, teilte Berenberg mit.

Streit um Jahresabschluss
Mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten, das 1590 gegründete, nicht börsennotierte Institut habe versucht, seine Ergebnisse für 2025 in einer Weise aufzubessern, die die Aufsicht für inakzeptabel hielt. Die Bafin habe daraufhin das Vertrauen verloren, dass Berenberg unter Riehmer und seinem Führungsteam den Abschluss zeitnah vorlegen werde, sagte eine der Personen.

Riehmer war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Ein Sprecher von Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG, wie die Bank offiziell heißt, lehnte eine Stellungnahme über die Mitteilung vom Freitag (19.6.) hinaus ab. Die Bafin lehnte eine Stellungnahme ab.

Beispielloser Schritt der Aufsicht
Die Suspendierung des Topmanagements ist für eine deutsche Bank von Berenbergs Größe beispiellos. Sie markiert zugleich einen dramatischen Absturz Riehmers, der die Bank über ihren traditionellen Fokus hinausführte und sie zu einer festen Größe im deutschen Investmentbanking machte, insbesondere im Aktienemissionsgeschäft. Gegen den Trend stellte der 58-Jährige nach der Finanzkrise Mitarbeiter an der Wall Street ein und setzte verstärkt auf London, als Wettbewerber wegen des Brexit ihre Aktivitäten zurückfuhren.

In den vergangenen Jahren musste Berenberg jedoch Stellen abbauen, nachdem sich die Wachstumsambitionen nicht erfüllten. Zuletzt verließen zudem mehrere ranghohe Mitarbeiter die Bank, sowohl aus den Geschäftsbereichen als auch aus Risikofunktionen. Auch ihre Ambitionen im Asset Management hat sie zurückgefahren.

Unklare Markttransaktionen im Fokus
Berenberg äußerte sich nicht konkret zu den Gründen für die Absetzung des Managements. Die Hinweise auf Governance-Verstöße bezögen sich auf "bestimmte Markttransaktionen mit unklarem Hintergrund, bei deren Aufklärung die nötige Transparenz fehlte", hieß es in der Erklärung.

Riehmer ist seit 1990 bei dem Institut. Er hatte Positionen im Kapitalmarktbereich inne, bevor er 2001 die Leitung des Investmentbankings übernahm. Mit der extrovertierten Art eines geborenen Dealmakers hatte er ein höheres öffentliches Profil als seine Partnerkollegen. Im Jahr 2009 wurde er persönlich haftender Gesellschafter. Im folgenden Jahr erwarb er gemeinsam mit der Familie Berenberg und Hans-Walter Peters, dem früheren Bankchef und späteren Verwaltungsratsvorsitzenden, einen Anteil von 25 Prozent an der Bank von der NordLB.

Sonderbeauftragte übernehmen Führung
Peters ist jetzt einer von zwei "Sonderbeauftragten", die von der Bafin eingesetzt wurden, um die Bank nun zu führen. Er sagte in der Mitteilung vom Freitag, die fraglichen Verstöße hätten keine Auswirkungen auf das Kundengeschäft. Die operative Führung, die Umsetzung der Geschäftsstrategie sowie Arbeitsplätze seien von dem Managementwechsel nicht betroffen.

Die Bank rechne für das Jahr 2025 mit einem "positiven Jahresergebnis" von etwa 20 Millionen Euro, sagte Peters. Berenbergs Nettogewinn lag 2024 bei 81,6 Millionen Euro. Am Montag (23.6.) setzte der deutsche Satellitenhersteller OHB eine Aktienplatzierung fort, bei der Berenberg als Joint Bookrunner tätig ist. (mb/Bloomberg)