Die Digitalisierung hat die London Metal Exchange (LME) erreicht. Die Londoner Metallbörse will Medienberichten zufolge ihren "Open-Outcry-Floor" schließen – den letzten verbliebenen Präsenz-Handelsplatz Europas. Nur dort stehen heute noch Buchmacher aus Fleisch und Blut gegenüber, schreien, fuchteln mit den Händen, brüllen Preise quer durch den Raum. Damit ist womöglich bald Schluss: Der Handel soll künftig ausschließlich digital stattfinden. Wie die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) berichtet, bereits ab März – wegen der dramatischen Corona-Infektionslage in Großbritannien.

Bisher beginnt an der LME um 11.40 Uhr Ortszeit der Handel, eine Glocke eröffnet den Tag. In einem Ring aus roten Ledersofas sitzen die erfahrensten Händler mit Notizbüchern auf den Knien, erzählt die SZ. Sie warten darauf, dass Metalle wie Kupfer, Nickel und Zink aufgerufen werden, und schreien dann ihre Orders in den Raum. Im Hintergrund warten die Clerks, die die Orders an die Verkäufer übermitteln, die am äußeren Ring in Telefonzellen stehen und mit Kunden auf der ganzen Welt kommunizieren. Bei diesem Ritual herrschen strenge Regeln: Anzug und Krawatte sind Pflicht, Kaugummikauen und Zeitunglesen verpönt. Nun sollen auf dem Floor nach 144 Jahren die Lichter ausgehen.

Gute Argumente für digitalen Handel
Der Parketthandel wirkt heute wie aus der Zeit gefallen. Digitale Handelssysteme böten größere Transparenz, ermöglichten höhere Handelsvolumina, erreichten ein größeres Publikum ließen sich überdies günstiger betreiben, argumentiert die LME nicht zu Unrecht. Wegen Corona sind die "roten Ringe" bereits seit März 2020 geschlossen, zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg ist es dort still. Ob die Schließung von Dauer ist, hängt auch von den LME-Floor-Mitgliedern ab. Es werde erwartet, dass sich einige von ihnen gegen die Einstellung des Parketthandels aussprechen, berichtet das Börsenmagazin "Der Aktionär". Die Einspruchsfrist läuft noch bis zum 19. März. (fp)