Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) schaut Banken bei deren Maßnahmen zur Geldwäschekontrollen genauer auf die Finger. Die Behörde hat daher vor einigen Monaten ein Referat für die "Intensivbetreuung" von Banken eingerichtet, bei denen sie das Risiko von Geldwäschegeschäften durch Kunden als besonders hoch einschätzt. Nun wurde bekannt, dass das neue Bafin-Referat zu Jahresbeginn 25 der rund 1.500 Geldinstitute in Deutschland gezielt im Blick hat. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine Antwort auf eine schriftliche Anfrage der Bundestagsfraktion "Die Linke". 

Welche Banken unter diese "Intensivaufsicht" fallen, ist nicht bekannt. Der Wirtschaftszeitung zufolge habe eine mit dem Sachverhalt vertraute Person aber immerhin verraten, dass es sich um einen "bunten Mix" handele. Betroffen seien große, international vernetzte Banken ebenso wie kleinere Sparkassen oder Volksbanken mit Auffälligkeiten – beispielweise intensive Geschäftsverbindungen zu Steueroasen. Die Bafin äußerte sich gegenüber dem Handelsblatt nicht dazu.

Sonderbeauftragte für Deutsche Bank
2018 hatte die Behörde aber der Deutschen Bank einen Sonderbeauftragten ins Haus geschickt, weil sie mit deren Geldwäschekontrollsystemen unzufrieden war. Bei der Internetbank N26 ordnete sie in der Vergangenheit öffentlich eine Verbesserung der Geldwäsche-Präventionssysteme an. "Wenn meine Erwartungen nicht erfüllt werden, werde ich nicht davor zurückschrecken, einen Sonderbeauftragen hereinzuschicken", sagte der für Geldwäsche zuständige Bafin-Exekutivdirektor Thorsten Pötzsch Pötzsch im Dezember.

Auffällige Kunden gleich höhere Kontrollen
"Intensivbetreuung" bedeutet für die betroffenen Banken, dass die Aufsicht deren Geldwäschesysteme selbst prüft, ihnen Besuche abstattet sowie Aufsichtsgespräche führt. Außerdem fragt die Bafin laut dem Handelsblatt in solchen Fällen auch bei der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (FIU) des Zolls nach, ob eine Bank dort negativ in Erscheinung getreten ist.

Um auffällige Institute überhaupt zu identifizieren, untersucht die Behörde zum einen, ob das Geschäftsmodell eines Instituts für Geldwäsche anfällig sein könnte. Das sei laut der Meldung beispielsweise dann der Fall, wenn eine Bank viele Steuersparmodelle oder Trusts, also die Einrichtung von Briefkastengesellschaften, anbietet, viele besonders wohlhabende Kunden betreut oder auch Geschäftsbeziehungen zu Ländern mit hohem Geldwäscherisiko pflegt. 

Zum anderen habe die Bafin Wirtschaftsprüfer untersuchen lassen, wie es um die Qualität der Geldwäsche-Kontrollsysteme einzelner Institute bestellt war. Je höher die Zahl der Risikofaktoren ist, desto eher erhalte ein Institut die Intensivbetreuung.

Vier Risikokategorien
In den vergangenen Jahren hat die Bafin deutlich mehr Kontrollen durchgeführtt, schreibt das Handelsblatt weiter. Im Jahr 2018 nahmen die Geldwäscheaufseher 90 Prüfungen selbst vor oder begleiteten diese. 2019 solle die Zahl der Inspektionen sogar die Schwelle von 100 überschritten haben.

Mit dem neuen Referat hat die Aufsicht nun noch mehr Personal für riskantere Banken zur Verfügung und kann diese genauer durchleuchten. Insgesamt existieren bei der Bafin vier Risikokategorien, in die Banken eingeordnet werden können. Die Intensivstation ist die höchste Stufe. (jb)