Die Finanzaufsicht Bafin hat gegenüber der Greensill Bank AG ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot erlassen – "wegen drohender Überschuldung", wie die Behörde mitteilt. Außerdem ordnete die Bundesanstalt an, die Bank für den Kundenverkehr zu schließen. Das Institut dürfe keine Zahlungen mehr entgegennehmen, die nicht zur Tilgung von Schulden gegenüber der Greensill Bank AG bestimmt sind (Moratorium). "Das Moratorium musste angeordnet werden, um die Vermögenswerte in einem geordneten Verfahren zu sichern", heißt es in einer Pressemeldung der Aufseher.

Die Greensill Bank habe keine Systemrelevanz, betont die Bafin. "Ihre Notlage stellt daher keine Be-drohung für die Finanzstabilität dar." Die Bilanzsumme des in Bremen ansässigen Instituts belief sich Ende vergangenen Jahres auf rund 4,5 Milliarden Euro.

Die Einlagen der Weltsparen- und Zinspilot-Kunden sind geschützt
Ein Teil dieses Geldes stammt von Sparern, die über Zinsplattformen wie Weltsparen oder Zinspilot von den vergleichsweise hohen Zinsen des Instituts profitieren wollten. Ihre Einlagen sind im Rahmen des Einlagensicherungsgesetzes geschützt.

Die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) schützt Einlagen bis zu einer Höhe von 100.000 Euro pro Kunde. Darüber hinaus greift der Einlagensicherungsfonds des Bankenverbands (ESF) bis zu einer Grenze von rund 74,7 Millionen Euro pro Einleger. Sollte die Bafin den Entschädigungsfall feststellen, wird sich der ESF "unaufgefordert auch im Namen der EdB mit den geschützten Einlegern in Verbindung setzen, um diese zu entschädigen", teilt der Bankenverband mit.

"Forensische Sonderprüfung" mit beunruhigenden Ergebnissen
Laut Bafin versteht sich die Greensill Bank als Refinanzierer für die Greensill-Gruppe und investiert in sogenannte "Working Capital Solutions"-Produkte ihrer britischen Schwestergesellschaft Greensill Capital. Die Greensill-Gruppe bietet Industrieunternehmen kurzfristige Finanzierungslösungen zur Lieferkettenfinanzierung an.

Die Bafin habe in einer "forensischen Sonderprüfung" festgestellt, dass "die Greensill Bank AG nicht in der Lage ist, den Nachweis über die Existenz von bilanzierten Forderungen zu erbringen, die sie von der GFG Alliance Group angekauft hat". Die Bafin habe daher bereits "umfangreiche Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität" der Bank erlassen und einen Sonderbeauftragten eingesetzt. Bei der GFG Alliance Group handelt es sich um das Imperium des indischen Stahlmagnaten Sanjeev Gupta. Die Schweizer Asset Manager Credit Suisse und GAM sahen sich gezwungen, mehrere "Supply Chain Finance"-Fonds zu schließen, über die sich die Greensill-Gruppe refinanzierte (FONDS professionell ONLINE berichtete). (bm)