Die Finanzaufsicht Bafin greift dem unter Beschuss geratenen Zahlungsabwickler Wirecard unter die Arme: Die Bonner Behörde erließ am Montagmorgen eine Allgemeinverfügung, "wonach es ab sofort verboten ist, neue Netto-Leerverkaufspositionen in Aktien der Wirecard AG zu begründen oder bestehende Netto-Leerverkaufspositionen zu erhöhen". Das Verbot, mit Leerverkäufen auf fallende Kurse des Titels zu setzen, gelte bis zum 18. April, heißt es in einer Mitteilung der Bafin.

Die Behörde hat der Allgemeinverfügung zufolge "eine ernstzunehmende Bedrohung für das Marktvertrauen in Deutschland" ausgemacht. Sie spielt auf die Turbulenzen rund um die Wirecard-Aktie an, die in den vergangenen Tagen – ausgelöst durch mehrere negative Berichte in der "Financial Times" (FT) – etwa 40 Prozent ihres Wertes verloren hatte.

Das Unternehmen aus Aschheim bei München bestreitet die Vorwürfe und will rechtlich gegen die "FT" vorgehen. Dennoch hatten zuletzt immer mehr Marktteilnehmer auf weiter fallende Kurse des Dax-Titels spekuliert. "In der derzeitigen Situation besteht das Risiko, dass die Verunsicherung des Marktes zunimmt und sich zu einer generellen Marktverunsicherung ausweitet", schreibt die Bafin.

Wirecard war schon mehrmals Ziel von "Short-Attacken"
"Bereits in der Vergangenheit waren inländische Unternehmen Ziel sogenannter Short-Attacken, wodurch die inländische Marktintegrität und das Vertrauen des Marktes in die faire und effiziente Preisbildung gefährdet wurden", berichtet die Behörde. Auch Wirecard sei in den Jahren 2008 und 2016 Ziel solcher Attacken gewesen. "Daraus resultierten auch Untersuchungen der Bafin und der Strafverfolgungsbehörden unter anderem wegen Marktmanipulation", erinnert die Finanzaufsicht.

Dass die Finanzaufsicht Leerverkäufe auf einzelne Titel verbietet, kommt eher selten vor. In größerem Umfang machten mehrere europäische Behörden von diesem Instrument Gebrauch, als auf dem Höhepunkt der Finanzkrise vor gut zehn Jahren Dutzende Bankaktien massiv unter Druck geraten waren. (bm)