Die Finanzaufsicht Bafin fordert die deutschen Banken dazu auf, dass sie für 2019 die variablen Vergütungen kürzen. "Eine unserer Erwartungen ist, dass sich in den Boni die Ertragslage der Banken widerspiegelt", sagt Raimund Röseler, Exekutivdirektor für Bankenaufsicht der Bafin, in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung" (BöZ). Zumindest müssten Kreditinstitute mit Ertragsproblemen "sehr gut begründen, wenn und warum sie die Boni nicht verringern", so die Zeitung. Den in der 2017 in Kraft getretenen Institutsvergütungsverordnung (IVV) vorgeschriebenen Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Situation eines Kreditinstituts und des Umfangs des Bonitopfes "bekräftigen wir auch regelmäßig gegenüber den Instituten", sagt Röseler laut der BöZ.

Viele Banken kämpfen bekanntlich mit Gewinnrückgängen oder sogar Verlusten und schieben die Misere nur allzu gerne auf das dauerhafte Zinstief. Die Commerzbank etwa musste für das erste Halbjahr 2019 geringere Erträge verkünden, da die sogenannte Zinsmarge aufgrund der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank massiv gesunken ist. Die in einer Restrukturierungsphase steckende Deutsche Bank wiederum produzierte in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres einen Verlust von 4,1 Milliarden Euro  – nach einem Gewinn von knapp 500 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Sie will ihre Boni für 2019 "um bis zu 20 Prozent" reduzieren, wie die BöZ unter Berufung auf Bloomberg meldet. 

Entlastung für kleinere Banken
Rösler macht sich ferner in dem Gespräch mit der Wirtschaftszeitung für eine Entlastung kleinerer Geldinstitute bei den Vergütungsvorgaben stark. Diese würden sehr unter dem "hohen Detaillierungsgrad" der IVV leiden: "Es gibt viel Raum für mehr Proportionalität, auf jeden Fall", erklärt er etwa mit Blick auf die Verpflichtung von Banken zur Benennung eines Vergütungsbeauftragten. 

Die Bafin habe dies auf ihre Agenda gesetzt. Allerdings müsse die deutsche Aufsicht dann das Recht haben, im Einzelfall auch strengere Regeln durchzusetzen, schränkt er laut der BöZ zugleich ein. Auf EU-Ebene werde man außerdem über Erleichterungen verhandeln müssen, wenn es an die Umsetzung weiterer Kapitalvorgaben aus Basel III gehe. Konkrete Fortschritte könne es dabei 2021 geben – so seine Aussagen in dem Interview. (jb)