Die Finanzaufsicht Bafin nimmt nach dem Wirecard-Skandal andere Konzerne strenger unter die Lupe, die eine Banktochter haben. Dies berichtet die Wirtschaftszeitung "Handelsblatt" und beruft sich auf interne E-Mails der Behörde. Zu den strenger kontrollierten Konglomeraten zählt demnach die Deutsche Börse. Diese wird bislang, wie alle Börsenbetreiber hierzulande, von den jeweiligen Ländern überwacht. Der Großteil des Geschäfts des deutschen Börsenplatzes läuft abseits des Kreditwesengesetzes – und somit jenseits der Bafin-Aufsicht.

Die Behörde hatte bei Wirecard den größten Bilanzskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte nicht aufgedeckt. Grund hierfür war nach Aussagen der Amtsleitung, dass der Aschheimer Zahlungsdienstleister als Technologiekonzern eingestuft wurde und die Bafin lediglich die Banktochter überwachte. Der Zugriff auf die Holding-Strukturen war den Prüfern weitgehend verwehrt. Einem neuerlichen Versagen will die Aufsicht nun offenbar vorbeugen. Die Bafin will bei Konzernen genauer hinschauen, die ebenfalls Banktöchter unterhalten, als Ganzes bislang aber nicht als Finanzholding eingestuft wurden.

Prüfung läuft
Im Jahr 2020 habe die Behörde in 16 Fällen eine Prüfung eingeleitet, ob die jeweiligen Konzerne eine Eigenschaft als Finanzholding haben, zitiert das "Handelsblatt" aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage eines Grünen-Bundestagsabgeordneten. Bislang vier Konglomerate seien nicht als Finanzholding eingestuft worden, bei neun laufe die Prüfung noch.

Drei Unternehmensgruppen wurden neu als Finanzholding eingestuft und können somit genauer geprüft werden. Eine davon ist die Deutsche Börse. Welche die anderen Unternehmen sind, wollte die Behörde nicht mitteilen. Insgesamt gebe es 26 Firmengruppen, zu denen ein Kreditinstitut gehört. Finanzexperten sehen es dem "Handelsblatt" zufolge jedoch als kritisch, dass bei Konzernen mit Banktochter die Aufsicht weiterhin nur unzureichenden Prüfungszugriff hat, wenn die Gesamtgruppe nicht als Finanzholding eingestuft wird. (ert)