Die Strategen der Generali Deutschland haben entschieden. Der Versicherer möchte der Viridium Gruppe die Mehrheitsbeteiligung an der Generali Leben verkaufen. Damit bestätigen sich die seit einigen Tagen kursierenden Mediengerüchte. Die Run-off-Plattform, die unter anderem die Policen der Skandia weiterführt, soll 89,9 Prozent der Anteile an dem Generali-Ableger übernehmen, die deutsche Konzernmutter behält 10,1 Prozent und wird einen Posten im Aufsichtsrat besetzen.

Als Preis für die rund vier Millionen klassischen Lebensversicherungen mit garantierten Kapitalanlagen von 37,1 Milliarden Euro nennen die beiden Unternehmen eine Milliarde Euro – wobei die Summe um 125 Millionen Euro erhöht werden kann, falls sich die gesetzlichen Regeln für die Zinszusatzreserve bis zum Abschluss des Geschäfts noch ändern. Denn absolut wasserdicht ist der Verkauf noch längst nicht.

Die Finanzaufsicht Bafin verschickte nur 50 Minuten nach den Mitteilungen der beiden Versicherer eine eigene Presseaussendung, in der sie betont, dass die "Veräußerung unter dem Vorbehalt der Prüfung durch die Bafin steht". Die Behörde führt weiter aus, dass an den Verkauf eines Versicherungsunternehmens strenge gesetzliche Anforderungen geknüpft sind, um die Interessen der Kunden zu wahren. "Dies stellen wir bei Bedarf durch geeignete Maßnahmen sicher", so Frank Grund, Exekutivdirektor der Versicherungsaufsicht. Sei das nicht der Fall, könne seine Behörde den geplanten Erwerb auch noch untersagen.

Langes Tauziehen um Run-off
Mit der offiziellen Ankündigung der Verkaufspläne geht ein rund ein Jahr währendes internes Tauziehen bei der Generali zu Ende. Der Versicherer, der sein Deutschlandgeschäft stark umgekrempelt und dabei etwa seine Ausschließlichkeitsorganisation an die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) abgegeben hat, überlegte seit vergangenem Jahr, die klassischen Lebensbestände abzustoßen. Der Grund ist einfach: Die mickrigen Zinsen erschweren das Erwirtschaften der zugesagten, hohen Garantiezinsen, die im Bereich von drei bis vier Prozent liegen dürften. Die neuen regulatorischen Kapitalanforderungen machen das Geschäft mit klassischen Lebensversicherungen zuätzlich unattraktiv. Die Transaktion wird daher die Bilanzen der Generali Deutschland stärken, wie der Versicherer betont. 

Allerdings gab es einen Aufschrei seitens Verbraucherschützern, Versicherungskunden und der Politik (FONDS professionell ONLINE berichtete). Diese befürchten, dass die Übertragung eines Bestandes an eine Gesellschaft außerhalb des ursprünglichen Versicherers – ein sogenannter externer Run-off – die Kunden weitaus schlechter stellen würde; daher auch die Ankündigung der Bafin. Nicht zuletzt wegen der massiven Kritik hat die Generali zunächst geprüft, ob eine interne Abwicklung auch infrage käme.

Vor ein paar Monaten kam die Idee einer dritten Option auf, die letztlich gezogen wurde: Verkauf der Bestände, aber unter Beibehaltung einer Minderheitsbeteiligung an dem Lebensversicherer, um bei der Abwicklung ein Mitsprache- und damit Kontrollrecht zu haben – zumindest drei Jahre lang. Danach besteht die Möglichkeit, dass die restlichen zehn Prozent auch an Viridium gehen.

300 Generali-Mitarbeiter wechseln
Rechtlich wird Option Drei derart gelöst, dass Generali Leben eine neue Portfoliogesellschaft der Viridium Gruppe neben der Heidelberger Lebensversicherung, der Skandia Lebensversicherung und der Entis Lebensversicherung wird. Zudem sollen Vereinbarungen sicherstellen, dass sämtliche Leistungen und Services der Generali Leben für die Versicherungsnehmer unverändert fortgeführt werden. Diese Vereinbarungen sehen unter anderem mehrjährige Partnerschaften zwischen beiden Unternehmen in den Bereichen Asset Management und der betrieblichen Altersvorsorge vor. Viridium wird zudem Generali Investments Europe für einen Zeitraum von fünf Jahren mit der Verwaltung von Kapitalanlagen der Generali Leben beauftragen.  

Ferner sollen rund 300 Mitarbeiter, die bereits den für das Neugeschäft geschlossenen Vertragsbestand der Generali Leben betreuen, zur Viridium Gruppe wechseln. Alle existierenden, die entsprechenden Mitarbeiter betreffenden Vereinbarungen behalten laut dem begleitenden Presseschreiben ihre Gültigkeit. (jb)