Rund 60 Banken in Deutschland waren an den umstrittenen Aktiendeals der Marke Cum-Cum beteiligt, zeigen Recherchen der Bundesanstalt für Finanzdienstleitungsaufsicht (Bafin). Bisher waren nur wenige der Institute namentlich bekannt, etwa die Commerzbank oder die Deka. Nach Informationen des Handelsblatts könnten auch auf einige Sparkassen und kleinere Volksbanken Rückforderungen der Finanzämter zukommen – in Summe geht es um rund 610 Millionen Euro, schätzt die Bafin. 

Die Kreissparkasse Göppingen teilte auf Anfrage der Zeitung mit, sie habe "wie andere Banken auch sogenannte Cum-Cum-Geschäfte getätigt, ausschließlich mit inländischen Kreditinstituten." Auch die Sparkasse Bodensee war der Zeitung zufolge involviert. In ihrem Geschäftsbericht für 2017 vermeldet die Bank eine Körperschaftssteuernachzahlung von rund 39 Millionen Euro. Wie viel davon auf Cum-Cum-Geschäfte zurückgehen, ist nicht bekannt. Die Sparkasse Karlsruhe will keine Angaben zu ihrer Beteiligung an den Aktiendeals machen. In den Bilanzen für 2017 finden sich aber Steuerrückstellungen in Höhe von 13 Millionen Euro.

Gang und Gäbe in der Branche
Mit den Cum-Cum-Geschäften, die mit den weit verbreiteten Cum-Ex-Deals artverwandt sind, sicherten sich die Akteure Steuererstattungen, die den wahren Eigentümern dieser Papiere gar nicht zustanden. Dabei übertragen ausländische Aktionäre per Wertpapierleihe kurz vor den Dividendenzahlungsterminen ihre deutschen Aktien an inländische Banken.Die deutschen Geldinstitute kassieren die Dividende und lassen sich die darauf zu entrichtende Kapitalertragsteuer teilweise oder komplett zurückerstatten, was den ausländischen Eigentümern so nicht möglich gewesen wäre. Diese Steuergutschrift teilten sich die Inlandsbanken mit ihren ausländischen Partnern, die die betreffenden Aktien hinterher plus Leihgebühr zurück erhalten

Die Gestaltung war lange Zeit Gang und Gäbe in der Branche. Am 18. August 2015 entschied der Bundesfinanzhof (BFH), dass Cum-Cum-Geschäfte grundsätzlich illegal sind und einen "Gestaltungsmissbrauch" darstellen. Bei den Aktiendeals fehle es an einem wirtschaftlich vernünftigen Grund, der einen Steuervorteil rechtfertige, urteilten die Richter. (fp)