Die Großmutter ist verstorben – leider ohne eine Liste mit ihren Vermögenswerten zu hinterlassen. Nicht immer kennen die Erben sämtliche Bankkonten. Dann ruht das Geld verlassen auf der Bank, ohne jemals abgerufen zu werden. Allein bei der Berliner Sparkasse existieren rund 60.000 solcher vergessener Konten. Insgesamt befinden sich darauf rund 4,8 Millionen Euro. Das teilte der Senat auf eine Anfrage der FDP mit, berichtet die "Berliner Zeitung". FDP-Mann Bernd Schlömer, der im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt, hatte die Zahlen bei der Senatswirtschaftsverwaltung angefragt.

Bislang gilt bei der Berliner Sparkasse der Grundsatz: Geld verfällt nicht. Es ruht so lange bei der Bank, bis sich Inhaber oder Hinterbliebene eines Tages vielleicht doch noch melden. Dabei wird ihnen das Geld auch dann ausgezahlt, wenn die letzte Kontobewegung Jahrzehnte her ist. Schlömer ist das ein Dorn im Auge. Er schlägt vor, die Guthaben auf vergessenen Konten nach spätestens 15 Jahren Ruhezeit über eine Stiftung in gemeinnützige Projekte fließen zu lassen.

Experten fordern zentrales Register
Für die Hinterbliebenen ist das Auffinden solcher "Geisterkonten" mit viel Arbeit verbunden. Experten fordern deshalb schon seit Langem ein zentrales, frei einsehbares Register, das Erben die Suche erleichtern soll. Die Banken sind von der Idee nicht begeistert. "Wir halten die Einrichtung eines zentralen Registers für nicht erforderlich", heißt es in einer Stellungnahme der Deutschen Kreditwirtschaft gegenüber dem "Tagesspiegel". Es existiere bereits eingespieltes Verfahren, mit dem Erben hierzulande nach Konten suchen könnten: Indem sie ihre Suchanfrage an die gängigen Anlaufstellen bei den einzelnen Bankenverbänden richten. (fp)