Es ist nicht von der Hand zu weisen: Der Fachkräftemangel trifft auch die Finanzbranche hart. Laut dem Personalvermittler Robert Half geht die Mehrheit der Topmanager im Bankensektor davon aus, dass im Jahr 2030 mindestens zehn Prozent der offenen Positionen in ihrem Unternehmen nicht mehr besetzt werden können. Ganz Pessimistische befürchten sogar, dass jede fünfte Stelle offenbleibt.

Um künftig nicht ganz ohne Mitarbeiter dazustehen, gehen die Kreditinstitute neue Wege – und suchen mittlerweile auch nach Kandidaten ohne klassische Bankausbildung oder BWL-Studium. So startete die Hamburger Sparkasse (Haspa) bereits im Jahr 2023 ein Quereinsteiger-Programm. Im Jahr 2024 kamen darüber 70 neue Mitarbeitende ins Institut, im vergangenen Jahr waren es rund 50 neue Kollegen. 

Exklusive Analyse
Auch weitere öffentlich-rechtliche Kreditinstitute sowie genossenschaftliche und private Banken setzen auf Branchenwechsler. Aber: In den vergangenen zwei Jahren ist im deutschen Finanzsektor der Anteil der Stellen für Quereinsteiger am gesamten Angebot zurückgegangen. Dies zeigt eine exklusive Analyse des Berliner Personalmarktforschers Index-Gruppe für FONDS professionell, für die 197 Printmedien, 321 Onlinebörsen und 969.000 Firmenwebsites ausgewertet wurden.

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass sich im Jahr 2025 bei insgesamt rund 125.500 Stellenausschreibungen nur rund 7.300 Angebote im Bankenbereich auch an Quereinsteiger richteten. Das entspricht einem Anteil von 5,8 Prozent. Im Jahr 2023 lag die Quote noch mehr als doppelt so hoch, 2024 belief sie sich immerhin noch auf 6,1 Prozent (siehe Grafik oben). 

In anderen Branchen
Zum Vergleich: Über alle Branchen hinweg bot im Jahr 2025 der Vertrieb prozentual betrachtet die meisten Chancen für einen beruflichen Neueinstieg: Über 22 Prozent aller Stellen im Verkauf richteten sich an Quereinsteiger. Auf den weiteren Plätzen folgen Jobs für Arbeitskräfte im Hotel- und Gastgewerbe und in der Logistik.

Finanzinstitute sollten sich die Chancen, die Quereinstiege bieten, jedoch nicht entgehen lassen, empfiehlt Jürgen Grenz, Geschäftsführer der Index-Gruppe. "Unternehmen können systematisch prüfen, welche Stellen sich für Quereinsteiger eignen und in entsprechenden Stellenausschreibungen auf die Möglichkeit eines Quereinstiegs hinweisen. Damit sprechen sie deutlich mehr potenzielle Fachkräfte an", betont er. (mh/am)


Mit welchen Programmen und Angeboten es Banken und Sparkassen gelingt, Quereinsteiger zu gewinnen, lesen Sie in der aktuellen Heftausgabe 2/2026 von FONDS professionell ab Seite 386. Angemeldete Nutzer finden den Beitrag auch hier im E-Magazin.