Der US-Technologieanbieter Ripple, der Blockchaindienste für Banken anbietet und gleichzeitig die drittgrößte digitale Währung, den Ripple (XRP), ausgibt, ist in massiven Schwierigkeiten. Die US-Börsenaufsicht SEC wirft Mitgründer Chris Larsen und CEO Brad Garlinghouse – beide Milliardäre – unter anderem persönliche Bereicherung vor. Bei Ripple handle es sich nicht um eine Währung sondern "Investmentverträge". Das Unternehmen habe dafür keine SEC-Registrierung beantragt und daher dem Markt "illegale Wertpapierangebote" offeriert. 

Informationsvakuum
Auf einer gut 70 Seiten starken Anklage, die kurz vor Weihnachten bei einem New Yorker Gericht eingebracht wurde, missbilligt die Aufsicht Ripples Vorgehen von Grund auf: Seit 2013 seien 14,6 Milliarden XRP im Wert von über 1,38 Milliarden US-Dollar verkauft worden, um die Geschäftstätigkeit von Ripple zu finanzieren und um "Larsen und Garlinghouse zu bereichern". Da das Unternehmen sich nicht nach den Wertpapiergesetzen des Bundes registrieren hat, seien den Anlegern auch "niemals die wesentlichen Informationen zur Verfügung gestellt, die jedes Jahr Hunderte anderer Emittenten in solche Erklärungen aufnehmen, wenn sie um öffentliche Investitionen werben", schreibt die SEC. Ripple habe mit dem Geld seine Geschäftstätigkeit finanziert, ohne genau das "Wie" offenzulegen.

Stattdessen habe Ripple "ein Informationsvakuum" geschaffen. "Die beiden Insider mit der größten Kontrolle darüber – Larsen und Garlinghouse –" hätten XRP an einen Markt verkaufen können, der nur mit ausgewählten Informationen versorgt wurde.

Warnungen schon frühzeitig
Aus den Unterlagen geht auch hervor, dass Ripple offenbar den Kapitalfehler aller neuartigen Finanzdienstleister begangen hat: Es hat sich nicht mit der Aufsicht arrangiert. Das Unternehmen sei bereits 2012 juristisch gewarnt worden, dass XRP unter bestimmten Umständen als Wertpapiergeschäft zu werten ist und damit unter die SEC-Aufsicht fällt. Larsen habe die Ausgabe ohne grünes Licht der SEC schlicht riskiert, schreiben die Regulatoren. Larsen und Garlinghouse hätten von den Verkäufen mit rund 600 Millionen Dollar "persönlich profitiert".
 
Die Ripple-Führung zeigte sich schockiert über die Klage. Garlinghouse schrieb in einer Mitteilung an seine Mitarbeiter, er sei überzeugt, das Unternehmen stehe auf der "richtigen Seite des Gesetzes und der Geschichte". Die von der SEC präsentierten Fakten seien "komplett falsch". Ripple sei eine Währung, kein "Investment-Kontrakt" und falle daher auch nicht in den Zuständigkeitsbereich der Börsenaufsicht. Garlinghouse bezeichnete die SEC-Anklage als Attacke auf die gesamte Kryptoindustrie.  

Bevorzugte Blockchain der Banken
Nach Unternehmensangaben nutzen mittlerweile über 300 Finanzinstitute in 40 Ländern die Blockchain-Technologie von Ripple. Vor allem können globale Geldsendungen, die davor Stunden oder Tage dauerten, auf Basis der Ripple-Blockchain in Sekunden abgewickelt werden. Der Coin selbst, der in den vergangenen Monaten einen massiven Wertverfall hatte, ist für diese Dienstleistungen nicht nötig. Das Image des Unternehmens ist damit aber angekratzt.

Viele Banken hatten auf Ripple gesetzt, in der Annahme das System werde bald das Swift-System, den bisherigen weltweiten Standard für Zahlungen zwischen Finanzinstitutionen, ablösen. Zum erlesenen Kundenkreis von Ripple gehören unter anderem Santander, UBS oder American Express; in Österreich hatte die Erste Group Ripple-Projekte laufen. Wie es weitergeht, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren. (eml)