Europas Banken geht es nicht gut. Fragt man Hans-Walter Peters, ist daran zu einem Gutteil die Europäische Zentralbank (EZB) schuld. Der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) wirft ihr vor, die Chancen der europäischen Kreditinstitute auf dem globalen Markt mit ihren geldpolitischen Entscheidungen massiv zu beeinträchtigen. "Die Politik der Notenbank ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass die europäischen Banken kontinuierlich an Wettbewerbsfähigkeit verlieren", sagt er im Interview mit dem "Handelsblatt".

Tatsächlich bürdet die EZB Geldhäusern durch Niedrigzinsen und negative Einlagensätze einiges auf. Europas Banken zahlen derzeit rund 13 Milliarden Euro an Strafzinsen an die Notenbank, berichtet Peters – pro Jahr. Stattliche vier Milliarden davon entfallen auf die deutschen Banken. "Dazu kommen die Abgaben für den Bankenabwicklungsfonds, dessen Volumen sich bis 2024 in Richtung 80 Milliarden Euro bewegen dürfte", sagt der Bankenpräsident. Die Zielhöhe des Fonds bemisst sich vor allem an der Höhe der Spareinlagen. "Durch die Flutung der Märkte mit Liquidität treibt die EZB-Politik auch diese massive Belastung", kritisiert Peters.

Hat Europa die strengste Zentralbank?
Man müsse der Notenbank zugutehalten, dass sie rasch auf die Coronakrise reagiert habe, räumt der BdB-Chef im "Handelsblatt"-Gespräch ein. "Aber die US-Notenbank Fed hat nie negative Zinsen erhoben." Andere Notenbanken, die zu diesem Mittel gegriffen haben, hätten Kreditinstituten immerhin deutlich höhere Freibeträge eingeräumt. Die EZB macht es den Banken mit ihrer Politik jedenfalls nicht leichter, profitabel zu arbeiten. Die Pandemie hat insbesondere den chronisch ertragsschwachen deutschen Bankensektor schwer getroffen. Um ihr aktuelles Rentabilitätsniveau zu halten, müssten Deutschlands Geldhäuser ihre Kosten in den kommenden Jahren um fast zehn Prozent drücken, hat die Ratingagentur Moody's festgestellt. (fp)