Trotz teils massiver Schließungen von Geschäftsstellen in den vergangenen Jahren: Europas Banken werden ihr Filialnetz in den nächsten zwei Jahren um bis zu weitere 40 Prozent zurückstutzen. Dies prognostiziert die Unternehmensberatung PwC in ihrem "Retail Banking Monitor 2021". Für die Studie untersuchten die Branchenkenner 50 Privatkundenbanken und Institutsgruppen in Europa. Hintergrund der Einschnitte ist der Druck zu Kosteneinsparungen, welcher durch die Folgen der Corona-Pandemie verschärft wurde.

Demnach hinterließ das Covid-Jahr 2020 tiefe Kratzer in den betriebswirtschaftlichen Erfolgsrechnungen der Geldhäuser. Rückgänge etwa bei internationalen Transaktionen sowie Kreditkartenzahlungen und ein geringeres Volumen bei Konsumentenkrediten mündeten in einen Ertragsrückgang von vier Prozent. Damit schrumpfte auch der operative Gewinn deutlich, so die PwC-Experten. Bei einem Viertel der untersuchten Institute brach dieser 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Im Gesamtdurchschnitt fiel der Überschuss um acht Prozent von 210 auf 193 Euro pro Kunde. Doch die Streuung um diesen Mittelwert ist enorm.

Im internationalen Vergleich erreichen sowohl österreichische als auch die deutschen Banken mit einem durchschnittlichen Ertrag von 208 beziehungsweise 172 Euro je Kunde nur eine Platzierung im hinteren Mittelfeld. In Spanien und Italien liegt der Durchschnittsverdienst seit Jahren höher – aus verschiedenen Gründen. "Die italienischen Institute erreichen das durch höhere Gebühren für Bankdienstleistungen, die spanischen Geldhäuser durch eine geschickte Vertriebsstrategie“, erläutert Andreas Pratz, Hauptautor der Studie, im "Handelsblatt". Spanischen Banken gelingt es beispielsweise häufig, eine Baufinanzierung mit einem Gehaltskonto und einer Lebensversicherung zu kombinieren.

Auch auf nationaler Ebene sind die Ertragsgefälle teils beträchtlich: In Deutschland sind laut Pratz die Verbünde – also Volksbanken und Sparkassen – die Ertragskönige, gefolgt von den Geschäfts- und den Direkt- sowie aufstrebenden Neobanken wie etwa N26. "Den Genossenschaftsbanken gelingt es besonders gut, ihren Kunden mehrere Produkte zu verkaufen“, so der PwC-Experte im "Handelsblatt".

Einnahmenausfall übersteigt Kosteneinsparungen
Auf die länderübergreifende Ertragserosion reagieren die Institute mit unterschiedlichen Strategien. So senkten Europas Retailbanken die operativen Kosten pro Kunde im Jahr 2020 um etwa zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Deutsche Banken weisen hingegen eine unverändert ungünstige Kostenstruktur auf. Auch die Geldhäuser in Österreich, Belgien, sowie Frankreich und Italien ringen mit einem hohen Aufwand. Die eingeleiteten Kostensparprogramme zeigen allerdings bestenfalls mittelfristig Wirkung. "Im Gegenteil: Da fallende Einnahmen nicht durch eine Kostenreduktion kompensiert werden konnten, stieg das Aufwand-Ertrags-Verhältnis für drei Viertel der untersuchten Banken", heißt es in der Studie.

Zukünftig werden europäische Geschäftsbanken ihre Sparmaßnahmen nicht nur fortsetzen, sondern möglicherweise sogar beschleunigen müssen. Die PwC-Experten leiten daraus ihre Prognose eines massiven Filialabbaus ab. "Im Bankmodell der Zukunft wird die Kundenansprache umgekehrt: Anstatt durch die besten Standorte möglichst viele Kunden in die Filialen zu locken, werden zukünftig durch gezieltes Online-Marketing Kundenkontakte gewonnen", prognostiziert Pratz. (ert/ps)