Not macht kreativ. In Zeiten erodierender Margen wächst die Zahl jener Banken beständig, die den Minuszins der Europäischen Zentralbank (EZB) auf Einlagen an Kunden weiterreichen. "Zur weiteren Stabilisierung ihres Zinsergebnisses senkten die Kreditinstitute ihre Einlagenzinsen zunehmend auch in den negativen Bereich", stellte die Deutsche Bundesbank schon in ihrem Monatsbericht aus dem September 2018 fest. Doch nicht überall werden Bankkunden – über mehr oder weniger gut kaschierte Gebühren – zur Kasse gebeten.

Bei immerhin 38 privatwirtschaftlichen Geldinstituten und Sparkassen können Neukunden oder Wechselwillige auch im April 2019 noch ein Girokonto eröffnen, das den Namen "kostenlos" mit Recht trägt. Das zeigt eine Auswertung von Biallo.de unter 1.400 Instituten und Sparkassen, für die das Internetportal vier Bedingungen stellt, die Otto-Normal-Verbraucher stillschweigend voraussetzen, wenn sie den Begriff "kostenlos" hören oder lesen: Keine Kontoführungsgebühr, kein Mindestgeldeingang, keine Kosten für die Girocard (EC-Karte) sowie unbegrenzte Gratis-Überweisungen. 

"Echte" Transparenz bleibt Wunschdenken
Die Biallo-Analyse ist nicht zuletzt deshalb erwähnenswert, weil es nach wie vor kaum detaillierte, anbieterübergreifende Girokonten-Gebührenvergleiche gibt, die auch spezielle Zusatzfeatures wie die Geldautomatenbeanspruchung und Ähnliches beinhalten und wie sie für Strom-, Versicherungs- oder Handytarife seit langem Usus sind.

Branchenkenner hatten erwartet, dass die Umsetzung einer EU-Richtlinie namens "Zahlungskontengesetz (ZKG)", die Banken seit November 2018 unter anderem dazu verpflichtet, Preise und sonstige Konditionen für alle von ihnen offerierten Girokonto-Varianten offenzulegen, einschlägige Vergleichsportal-Betreiber unmittelbar motiviert, entsprechende Tarifrechner zu lancieren. Doch die sind bislang Mangelware.

Commerzbank kontert – und kommt rein
Wie dem auch sei: Zu den von Biallo genannten Instituten gehören alleine zwölf Direktbanken und acht PSD- und drei Sparda-Banken. Ferner die Stadt- und Kreissparkasse Erlangen und elf Genossenschaftsbanken, darunter die Raiffeisenbank Oberursel und die VR-Bank Coburg. Aus der Gruppe der überregional präsenten Institute werden zudem die BB Bank und Santander genannt – und die Commerzbank mit ihrem "0-Euro-Konto".

Pikant in diesem Zusammenhang ist, dass Biallo die Commerzbank in einer Ursprungsfassung des Vergleichs nicht zu den "Kostenlos-Konto"-Anbietern zählte. Erst nach "Gesprächen" mit dem Portal kam die Bank auf die Liste, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) meldet. Die immerhin zweitgrößte deutsche Bank bewirbt ihr "0-Euro-Konto" zwar als kostenlos, laut der Zeitung gibt es aber einige findige Einschränkungen, sodass man sich unterm Strich fragen müsse, ob das Coba-Konto tatsächlich kostenlos ist.

So habe die Commerzbank 2016 damit begonnen, dass Kunden für Überweisungen, die auf Papier eingereicht werden, jeweils 1,50 Euro zahlen müssen. Auch für Ein- und Auszahlungen von Bargeld am Schalter werden Extra-Entgelte berechnet. Zudem wird ein monatlicher Mindestgehaltseingang von 1.200 Euro zur Bedingung gemacht – was den Bialo-Kriterien eigentlich widerspricht.

Wettbewerbshüter "drücken Auge zu"
Anders als manch andere Geldinstitute verlangt die Commerzbank aber keine Jahresgebühr für die EC-Karte. Eine solche wird erst erhoben, wenn Kunden diese mindestens zweimal verlieren und eine neue benötigen. Dennoch: Barauszahlungen an Fremdautomaten im In- und Ausland sind außerhalb der Cash-Group der Privatbanken recht teuer, konstatiert die FAZ: Mindestens 5,98 Euro je Abhebe-Vorgang sind fällig.

Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs, die mehrere Banken bereits abgemahnt und teils verklagt hatte, weil diese trotz versteckter Gebühren mit "kostenlosen Girokonten" werben, ist gegen das Angebot der Commerzbank aber nicht Sturm gelaufen. Laut den Wettbewerbshütern seien die wichtigsten Funktionen des Kontos, die von der Mehrzahl der Kunden genutzt würden, unentgeltlich. (ps/jb)