Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zu Dividendenzahlungen von Banken in der Corona-Krise eine klare Ansage gemacht: bitte unterlassen! Kreditinstitute in der Eurozone sollen bis September 2021 nach Möglichkeit auf Ausschüttungen verzichten oder diese zumindest strikt limitieren. Eine kleine finnische Bank hat nun beschlossen, auf die eindringliche Empfehlung der Notenbank zu pfeifen. Wie die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) berichtet, hat die Ålandsbank jüngst die besten Zahlen in ihrer hundertjährigen Geschichte vorgelegt. Diesen Geschäftserfolg will sie mit ihren Aktionären teilen, Krise hin oder her.

Weder die EZB-Empfehlung noch die Aufforderung auf Dividendenverzicht der finnischen Finanzaufsicht sind rechtlich bindend. Dennoch bezeichnet Aufsichtschef Jyri Helenius die Entscheidung der Ålandsbank, eine Dividende zu zahlen, laut Bloomberg als "unglücklich". Alle Banken sollten zusammenarbeiten und der einheitlichen europäischen Linie folgen, fordert er. Das kratzbürstige Institut mit Sitz auf den Åland-Inseln zwischen Finnland und Schweden hält dagegen: Die Regulatoren unterschieden nicht zwischen finanzstarken und schwachen Geldhäusern. 2019 sei für die Bank ein Rekordjahr gewesen, 2020 sei das Geschäft nach aktuellem Stand sogar noch besser gelaufen.

Archipel in Geldnot
Die Leitung der Ålandsbank schlägt für 2019 eine Ausschüttung von einem Euro je Aktie vor. Das entspricht laut "Handelsblatt" satten 59 Prozent des Gewinns je Aktie – und ist fast viermal so viel, wie die EZB-Richtlinie für Ausschüttungen derzeit vorsieht. Lasse man die Gewinnbeteiligung ausfallen, seien die langfristigen Risiken für das finnische Kreditinstitut indes noch größer, argumentiert der Vorstand in einer Mitteilung. Das hat mit der Eigentümerstruktur der Bank zu tun.

Von den rund 10.000 Aktionären des Instituts stammt gut die Hälfte von den Åland-Inseln. Diese Aktionärsgruppe hält 56 Prozent der Anteile. Das Gemeinwesen der Inselgruppe sei auf das Geld aus der Ausschüttung angewiesen, erklärt der Vorstand der Ålandsbank. Die Behörden verlangten von Kreditinstituten eine langfristige Strategie, zitiert die NZZ die Leitung des rebellischen Geldhauses. Für die Ålandsbank bedeute das, die Interessen ihrer wichtigsten Kundengruppe nicht aus den Augen zu verlieren. Und eine Dividende zu zahlen, auch wenn die EZB das nicht gern sieht. (fp)