Wer gedacht hat "Die Boni sind sicher", muss bald zurückrudern: Die deutsche Finanzaufsicht Bafin will zusammen mit dem Justizministerium die rechtliche Grundlage dafür schaffen, ausbezahlte Banker-Boni im Zweifelsfall zurückzufordern. Voraussetzung soll sein, dass Bonus-Empfänger an Handlungen beteiligt waren, die zu Verlusten oder Strafen geführt haben, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Die Rückforderungsmöglichkeit heißt im Fachjargon Clawback und soll im Rahmen der Institutsvergütungsverordnung (IVV) kommen, mit der die Bafin die Empfehlungen der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) umsetzt.

Die neue Regelung würde die geltende Rechtslage deutlich verschärfen. Bislang können Banken Prämien lediglich zurückhalten, wenn sie bei Mitarbeitern ein Fehlverhalten feststellen. Sie können gezahltes Geld aber nicht zurückfordern. Nach der Zusage zahlen sie Boni bisher gestaffelt über einen Zeitraum von mehreren Jahren aus. Das führte in der Vergangenheit etwa dazu, dass dem Deutsche-Bank-Zinshändler Christian Bittar für das Jahr 2008 ein Bonus von 90 Millionen Euro zugesagt wurde, von dem er immerhin die Hälfte bekommen haben soll – danach wurde bekannt, dass er an der Manipulation von Referenzzinssätzen beteiligt war.

Besser der Spatz in der Hand
Banken sind nicht glücklich mit den Plänen der Bafin. Sie fordern, auf Clawbacks zu verzichten und warnen vor möglichen Rechtsstreitigkeiten. Die Boni in deutschen Geldhäusern sind zuletzt aber ohnehin gesunken. Immer mehr Institute wandeln variable in fixe Vergütungen um. Bei der Deutschen Bank sanken die Boni im vergangenen Jahr um 300 Millionen Euro auf 2,4 Milliarden Euro, berichtet die FAZ. Gleichzeitig stiegen die Fixgehälter um 800 Millionen Euro auf 8,1 Milliarden Euro.

Die Deutsche Bank hält derzeit besonders viele Boni zurück, weil sie prüft, ob ehemalige Vorstandsmitglieder sich etwas haben zuschulden kommen lassen. Der frühere Vorstandsvorsitzende Anshu Jain wartet noch auf 5,3 Millionen Euro und 125.000 Aktien an zugesagter Extra-Vergütung. Bei seinem Vorgänger Josef Ackermann sind es 3,5 Millionen Euro und 96.600 Aktien. (fp)