In Zeiten des Filialsterbens und des Onlinebanking-Booms sind eigentlich Hacker die größte Bedrohung für Bankkonten und Wertpapierdepots. Aber es gibt ihn noch, den klassischen Bankraub. Oder besser: den Versuch. Bauarbeiter dürften nicht schlecht gestaunt haben, als sie vor einer Volksbank-Filiale im Kreis Herford einen acht Meter langen und einen Meter breiten Tunnel entdeckten. Sie waren wegen abgesackter Pflastersteine in eine Parkplatz-Einfahrt neben der Bank gerufen worden, erklärt eine Polizeisprecherin im "Handelsblatt", das über die Sache berichtet. Statt des vermuteten Wasserschadens fanden die Bauarbeiter in zwei Metern Tiefe allerdings Holzplanken und darunter einen Tunnel.

Die mutmaßlichen Täter hatten offenbar schon seit längerer Zeit gegraben und den Gang mit Planken abgestützt. Einen Durchbruch zur Filiale der Volksbank Spenge gab es noch nicht. Man gehe nach den bisherigen Erkenntnissen aber davon aus, dass die Täter in das Kreditinstitut eindringen wollten, sagt die Polizeisprecherin. Der Eingang zum Tunnel befand sich in einem Transformatorenhäuschen eines Stromnetzbetreibers. Dort war kurz zuvor das Schloss ausgetauscht worden – wohl durch die mutmaßlichen Bankräuber, die wussten, dass das Personal des Netzbetreibers dort nicht oft anzutreffen ist. 

Viel buddeln für wenig Kohle
Bei dem Geldhaus, das zur Volksbank Herford-Mindener Land in Ostwestfalen gehört, zeigt man sich über den Einbruchversuch erstaunt. "Sowas erlebt man sonst nur im Fernsehen. Das ist Wahnsinn", so ein Mitarbeiter in der "Neuen Westfälischen". Die Täter hätten womöglich die bevorstehenden Pfingsttage für den Einbruch nutzen wollen, mutmaßt er. Gelohnt hätte sich ihre Mühe allerdings kaum: In der Filiale lagern einem Sprecher zufolge keine größeren Bargeldmengen. Außerdem seien die Geschäftsstellen der Volksbanken grundsätzlich gegen Einbruch und Vandalismus abgesichert. (fp)