Die Nachfrage nach Immobilien steigt, und damit auch der Bedarf nach einer entsprechenden Finanzierung. Im ersten "Komplettjahr" seit Beginn der Coronakrise sind die Immobilienpreise und Darlehenssummen stärker gestiegen als in den Vorjahren, um etwa zehn Prozent. Das zeigt eine Untersuchung des Baufinanzierungs-Vermittlers Interhyp. Das Bedürfnis nach Sicherheit, in Kombination mit den niedrigeren Zinsen, macht den Kauf einer Immobilie für immer mehr Menschen attraktiv. Dass dieses Wachstumsgeschäft klassischer Banken zunehmend Fintechs anzieht, scheint da nur nachvollziehbar.

In der Baufinanzierung ist die Digitalisierung, ebenso wie in anderen Geschäftssparten herkömmlicher Gedinstitute, ein wichtiges Thema. Bei den Bausparkassen kommen Start-ups aus dem Finanzbereich bislang selten zum Zug, zumindest noch. 

Dabei könnten die Start-ups eine wichtige Rolle in der Digitalisierung der Baufinanzierung spielen. Stefan Siebert, Vorsitzender des Vorstands der LBS Südwest, der größten öffentlich-rechtlichen Bausparkasse, betont gegenüber der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ): "Fintechs bringen eine hohe Innovationskraft mit, die gerade traditionsreichen Unternehmen wie Bausparkassen sehr gut tun kann." Mit ihren in der Regel sehr nutzerorientierten Lösungsbausteinen würden sie echten Mehrwert schaffen – für Bausparkassen, aber auch für alle Wohn- und Immobilieninteressierten. Branchenprimus Schwäbisch Hall hat sich deshalb beispielsweise mit 50 Prozent am Fintech Impleco beteiligt.

Verändertes Kundenverhalten
Impleco wurde 2020 von den PSD-Banken Berlin-Brandenburg, Rhein-Ruhr und Westfalen-Lippe gegründet. Der Vorstandsvorsitzende von Schwäbisch Hall, Reinhard Klein, sagt gegenüber der FAZ, das Gemeinschaftsunternehmen sei ein wichtiger Schritt beim Aufbau eines digitalen Ökosystems "Bauen und Wohnen" für die genossenschaftliche Finanzgruppe. Die Einbeziehung des Fintechs sei auch eine Reaktion auf das veränderte Kundenverhalten.

Spannend sei in diesem Zusammenhang, dass trotz der zunehmenden Onlineaffinität der Immobilien-Interessierten der eigentliche Abschluss nahezu immer noch persönlich stattfinde. "Das liegt vor allen Dingen daran, dass eine Baufinanzierung immer noch die wichtigste finanzielle Entscheidung im Leben eines Kunden ist", erklärt sich Klein die bislang einigermaßen friedliche Koexistenz von On- und Offlinewelt. (fp/ps)