Einige Menschen tragen das "Unternehmer-Gen" in sich: Sie möchten frei in ihrer eigenen Firma Entscheidungen treffen. Berater in der Finanzbranche treibt dabei meist zudem an, dass sie Kunden nach ihren Vorstellungen betreuen wollen. Unabhängig vom Ansatz ist es für den Erfolg eines Beraters wichtig, auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden einzugehen – vor allem wenn es um vermögende Anleger geht, die auch mal Sonderwünsche äußern. 

Das gelingt Alexander Steinhoff und Nicholas Schmid vom 2021 gegründeten Saentis Family Office offensichtlich gut. Mittlerweile betreuen die beiden gemeinsam mit ihrem 16-köpfigen Team rund 650 Millionen Euro für Kunden, davon 350 Millionen in liquiden Assets, der Rest in Immobilienportfolios.

Start bei der Landesbank
Die beiden Finanzexperten wechselten 2020 von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in die Selbstständigkeit. Bei der Bank hatten sie zuvor zusammen den Private-Wealth-Bereich in Rheinland-Pfalz aufgebaut. Der studierte Betriebswirt Schmid war bereits seit Ende der 1990er Jahre bei der LBBW. Sein Kompagnon Steinhoff kam 2013 zu der Landesbank, zuvor war der Diplom-Kaufmann bei der Dresdner Bank und der UBS tätig.

"Die Zeit bei der LBBW war fachlich und menschlich sehr prägend", stellt Schmid klar. "Gleichzeitig ist ganzheitliche Vermögensarbeit mehr als das Wertpapierdepot. Wir wollten Mandanten über Assetklassen hinweg begleiten – unternehmerisch und ohne Limitierungen eines Konzerns", benennt er die Gründe für den Abschied von der Bank. Der Anstoß, diese Ziele letztlich umzusetzen, kam von außen: Sie halfen privat, ein Unternehmen aus dem Krypo-Umfeld an die Börse zu bringen. "Mit dem auch für uns lukrativen Exit konkretisierten sich unsere Ideen bezüglich eines Multi-Family-Office, über das wir unsere Vorstellungen verwirklichen konnten", erklärt Steinhoff.

Immobilienportfolios
Mit dem Saentis Family Office, das unter dem Haftungsdach NFS Netfonds agiert, verknüpfen sie ihr Ziel einer ganzheitlichen Betreuung und die eigenen unternehmerischen Interessen, was sich in ihren Angeboten abseits der klassischen Vermögensverwaltung niederschlägt. "Mit mehreren Kunden haben wir wohnwirtschaftliche Immobilienportfolios aufgebaut. Dafür gründen wir eigenständige Personengesellschaften", erklärt Steinhoff, der über lange Jahre Erfahrungen mit Immobilien gesammelt hat. "Typisch ist eine Gesamtinvestition in der Größenordnung von rund 30 Millionen Euro je Portfolio mit einem Eigenkapitalanteil von etwa acht Millionen Euro. Dieser wird zu rund 80 Prozent von unseren Investoren und zu rund 20 Prozent von uns eingebracht. Der Rest wird durch Kredite gedeckt."

Bei den Kunden kommt dieses Angebot gut an, mittlerweile bewirtschaftet die Firma sechs solche Portfolios, ein weiteres ist in der Vorbereitung. "Viele unserer Mandanten kommen aus Unternehmerfamilien. Sie möchten neben Aktien und Anleihen auch in Immobilien investieren – aber nicht in Form von offenen oder geschlossenen Fonds, sondern über eine direkte Beteiligung, die ihnen eine Mitbestimmung erlaubt", erklärt Schmid.

Keine Einheitsstrategie in der Vermögensverwaltung
Der Kern des Geschäfts bei Saentis ist aber die Vermögensverwaltung. Die Mandate, für die das Family Office den Finanzportfolioverwalter NFS Hamburger Vermögen aus dem Netfonds-Konzern berät, werden individuell ausgestaltet. "Wir arbeiten nicht mit einer starren Einheitsstrategie, sondern mit einem klaren Investmentprozess und festen Leitplanken", berichtet Schmid. "Ausgangspunkt ist immer die Qualität des Geschäftsmodells. Wir investieren so, als würden wir uns als Unternehmer beteiligen. Daraus entsteht ein fokussiertes Portfolio aus Qualitätsaktien. Die Risikopuffer steuern wir über Anleihen und Liquidität."

Neben den Depots, für deren Betreuung das Family Office den Kunden eine jährliche Gebühr in Abhängigkeit vom Umfang und von der Komplexität des Mandats berechnet, haben sie 2021 den Mischfonds Saentis Global Invest initiiert. Dieser ist Schmid zufolge vor allem für Stiftungen und Gesellschaften gedacht, die keine Einzeltitel in ihrer Bilanz wünschen. Außerdem können darüber weniger vermögende Kunden an Schmids und Steinhoffs Anlageideen teilhaben.

Sparringspartner
Die Kunden sind offenbar zufrieden, wobei nicht nur die Investmentangebote, sondern auch der Service eine entscheidende Rolle spielt. Schmid und Steinhoff betreuen ihre Kunden, darunter viele Familienverbünde mit bis zu drei Generationen, in allen Bereichen. Die Berater, die beide ein Studium zum Master of Laws (LL.M.) mit Schwerpunkt Erbrecht draufgesattelt haben, kümmern sich auch um Vermögensstrukturen, Nachfolgethemen, Koordination von Banken, Steuer- und Rechtsberatern sowie nicht finanzielle Fragestellungen. "Wir sind die Sparringspartner der Kunden für eine Vielzahl von Dingen", beschreibt es Steinhoff.

Die Kunden honorieren das. Seit dem Start ist ihr Kundenkreis gewachsen, zum einen durch Empfehlungen von Kunden und Kooperationspartnern, zum anderen durch Öffentlichkeitsarbeit. Auch in diesem Punkt hebt sich das Duo von der Masse ab. "Vor zehn Jahren habe ich eine Stiftung gegründet, die Wissenschafts- und Bildungsprojekte fördert. Der positive Nebeneffekt ist, dass wir heute in den für uns relevanten Kreisen in Mainz und Wiesbaden stärker wahrgenommen werden", sagt Steinhoff. Sein Motto daher: "Tue Gutes und rede darüber." (jb)