Das umgesetzte Geschäftsvolumen in der Anlageberatung bei Berenberg ist im vergangenen Jahr um rund 50 Prozent gesunken. Das sei eine Folge der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II, teilte die Hamburger Privatbank am Freitag mit.

"Dies ist ein Beispiel dafür, wie falsche Schwerpunktsetzungen in der Regulierung den Kunden bevormunden und in das Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Bank eingreifen", sagte Hans-Walter Peters, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Bank. Peters, der auch Präsident des Bankenverbands ist, hatte Mifid II schon im Vorfeld als "Monsterwerk an Regulierung" kritisiert (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Verwaltetes Vermögen bleibt nahezu konstant
Berenberg hat die Anlageberatung im Geschäftsfeld Wealth and Asset Management wegen des gestiegenen Aufwands durchaus bewusst zurückgefahren. "Wir haben frühzeitig erkannt, dass durch Mifid II ein Wechsel von der Anlageberatung hin zur Vermögensverwaltung stattfinden wird und uns entsprechend aufgestellt", erklärt Peters. Die im Wealth Management von Berenberg betreuten Kunden nähmen mittlerweile überwiegend die Vermögensverwaltung in Anspruch, die deutlich ausgebaut werden konnte. Das verwaltete Vermögen sank im vergangenen Jahr trotz der Marktverwerfungen nur leicht von 37 auf 36,7 Milliarden Euro.

Stark gefragt seien auch "ergänzende Investmentlösungen" gewesen, zum Beispiel Anlagen in Immobilien oder digitale Infrastruktur. "Uns ist es wichtig, in einem von Standardisierung geprägten Marktumfeld unseren Kunden individuelle Beratung zu bieten und besondere Investitionsmöglichkeiten zu erschließen", so Peters. Gerade anspruchsvolle Kunden mit komplexen Aufgabenstellungen würden dieses Angebot honorieren, sodass Berenberg 2018 in dieser Kernzielgruppe wachsen konnte.

Niederlassung in Wien wird geschlossen
Insgesamt konnte die Privatbank 2018 zwar Marktanteile gewinnen, der Jahresüberschuss sank aber deutlich von 90 auf 23 Millionen Euro. Als einen Grund dafür nennt Berenberg den Aufbau "umfangreicher Ressourcen für die Umsetzung regulatorischer Maßnahmen (im Wesentlichen Mifid II), die nach erfolgreichem Abschluss Ende 2018 wieder abgebaut wurden". Die Bank trennte sich von etwa 150 Mitarbeitern, vor allem in den Bereichen IT und Investment Banking, was zu "Restrukturierungskosten im deutlich zweistelligen Millionenbereich" geführt habe. Bereichsübergreifend stieg die Zahl der Mitarbeiter von 1.474 auf 1.640.

Ende 2018 veräußerten die Hamburger mehr als 80 Prozent der Anteile an der Berenberg Bank (Schweiz) AG – "zur Verringerung der regulatorischen Komplexität", wie es in der Mitteilung heißt. Anfang 2019 wird zudem die Niederlassung in Wien geschlossen, da das dort angesiedelte Anleihengeschäft unter Mifid II nicht mehr sinnvoll betrieben werden könne. (bm)