In Deutschland werden seit Jahren republikweit mehr und mehr Geldautomaten abgebaut - eigentlich. Doch es gibt auch einen gegenläufigen Trend: Gleichzeitig postieren unabhängige Anbieter eigene Maschinen vor oder sogar in Wohnhäusern großer Städte, vor allem in Berlin. Für die Bewohner kann das schnell nervig werden: Etwa, wenn eine krakeelende Kohorte Betrunkener nachts vor der Haustür Geld abheben möchte. Die Automaten können aber auch zum Sicherheitsrisiko werden – wenn sie beispielsweise Rettungswege blockieren. Ebendies ist bei einem Geldautomaten in der Müggelstraße im Berliner Bezirk Friedrichshain der Fall. Nun hat sich sogar der zuständige Baustadtrat eingeschaltet, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ).

Weil der Automat eine "unerlaubte Brandlast" darstelle, soll die Bauaufsicht eingreifen, was "gegebenenfalls auch eine Beseitigungsanordnung beinhalten können", teilte die Behörde mit. Und es soll nicht bei einem Einzelfall bleiben. Wegen der zunehmend "um sich greifenden Praxis" fordert der Friedrichshainer Baustadtrat, dass es den Berliner Bezirken grundsätzlich möglich sein soll, dagegen vorzugehen. Als Vorbild gilt Amsterdam. Dort will man in den Fassaden von Läden keine neuen Automaten mehr genehmigen, berichtet die SZ.

Zahl der unabhängigen Geldautomaten wächst
Als Gründe für den Automaten-Wildwuchs nennt die Zeitung die sinkende Zahl an Bankfilialen. Deutschlands Geldhäuser haben in den vergangenen Jahren ihr Filialnetz ausgedünnt und auch die Zahl der Geldautomaten reduziert, um Kosten zu sparen. Die Lücke haben unabhängige Betreiber wie Euronet gefüllt, die selbst keine Geldgeschäfte anbieten, sondern nur Automaten zum Bargeld abheben bereitstellen – wofür sie teils saftige Gebühren von bis zu acht Euro pro Transaktion verlangen. Die Zahl der "freien" Geldautomaten wächst stark, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Mittlerweile sind knapp 5.000 von ihnen registriert. 2018 waren es nur rund 4.000. (fp)