Das Berliner Start-up Trisor will sich das langsame Sterben der Bankfilialen zunutze machen und in deutschen Großstädten Wertschließfächer mit digitaler Verwaltung anbieten: Dies berichtet die "Wirtschaftswoche" (Wiwo). Gründer Julian Treidler möchte auf diese Art Alternativen zu Banken schaffen, welche die Zahl ihrer Filialen immer weiter verringern und damit auch das Angebot gut erreichbarer Safes ausdünnen. Trisor soll zudem den Zugang zu den Schließfächern erleichtern, etwa mit Öffnungszeiten rund um die Uhr.

Bereits im Mai dieses Jahres will Trisor seinen ersten Standort in einem Berliner Bürokomplex eröffnen. Auf 184 Quadratmetern werde Treidlers Unternehmen über 5.000 Safes einbauen, schreibt die Wiwo. Das Investitionsvolumen belaufe sich auf zwei Millionen Euro. Immer mehr Menschen würden auf physische Wertgegenstände setzen oder auch ihre Zugangsdaten für die Bitcoin-Wallets gut verstecken wollen, ist Treidler der Wiwo zufolge überzeugt. Daher komme seine Geschäftsidee genau zur rechten Zeit.

Wartelisten für Schließfach-Nutzung
In der Tat: Nach einer Analyse der Deutschen Bundesbank ist die Zahl der Bankfilialen zwischen dem Jahr 2009 und 2019 bundesweit um mehr als 30 Prozent gesunken, berichtet die Wiwo. Ende Januar 2021 erklärte die Commerzbank, sie werde bis 2023 die Hälfte ihrer Filialen schließen. Viele Geldhäuser hätten inzwischen Wartelistenplätze für Schließfächer, so das Wirtschaftsmagazin. Viele Banken schafften das Geschäftsmodell komplett ab. 

In diese Lücke möchte Trisor nun stoßen und bis 2024 rund 20 weitere Standorte in Großstädten wie Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München mit neuen Wertschließfächern eröffnen, noch in diesem Jahr sollen zwei Filialen entstehen. Und: Auch europaweit wolle das Unternehmen wachsen, sagte Treidler der Wiwo.

Zugriff zu jeder Zeit
Sein Konzept im Detail: An Standorten mit eigenem Wachpersonal sollen Kunden mit einer Karte in das Gebäude eintreten können und dann, ebenfalls mit ihrer Karte, Zugriff auf ihr Schließfach bekommen. So muss niemand extra einen Termin vereinbaren, um sein Fach zu öffnen, Kunden sind auch nicht an Öffnungszeiten gebunden.

Allerdings müssen sie einen mehrstufigen Authentifizierungsprozess mit Karte, Pin und Fingerabdruck durchlaufen, bevor sie an den Inhalt ihres Schließfachs kommen. Sich registrieren, die Schließfächer an einem Standort mieten und ihr Konto verwalten, können Kunden online. Die kleinste Variante eines Schließfachs soll monatlich 28 Euro kosten. (am)