Der Skandal um die Beschattung des früheren Wealth-Management-Chefs der Credit Suisse, Iqbal Khan, mündet in einem Personalumbau. Vorstandschef Tidjane Thiam räumt seinen Posten, teilte die Großbank mit. An seine Stelle tritt Thomas Gottstein, der bisher das Geschäft im Heimatland Schweiz leitete. Thiam soll noch die Jahresergebnisse des Geldhauses vorstellen und dann Mitte Februar zurücktreten.

Damit ist zugleich ein Machtkampf entschieden, der hinter den Kulissen tobte. Verwaltungsratschef Urs Rohner soll Berichten zufolge die Ablöse von Thiam angemahnt haben. Einige Anteilseigner sollen sich hingegen auf Thiams Seite gestellt und wiederum die Absetzung von Rohner gefordert haben. Letztendlich konnte Rohner augenscheinlich den Verwaltungsrat hinter sich vereinen. Der Verwaltungsratschef soll seine bis 2021 laufende Amtszeit noch bis zum Ende erfüllen.

"Das hätte nie passieren dürfen"
Auslöser für den Wirbel war die Bespitzelung des Wealth-Management-Chefs Khan, der zur UBS gewechselt war. Die Detektive waren aufgeflogen. Im Zuge der Affäre war zudem herausgekommen, dass auch der ehemalige Personalchef Peter Goerke beschattet worden war. Eine von der Bank angeordnete Untersuchung kam zu dem Schluss, dass Vorstandschef Thiam nichts damit zu tun hatte. Stattdessen verlor der operative Vorstand Pierre-Olivier Bouée seinen Job.

Thiam selbst betonte, nicht in die Vorgänge involviert gewesen zu sein. "Ich hatte keinerlei Kenntnisse von der Beschattung zweier ehemaliger Kollegen" lässt sich der noch amtierende Bankchef in der Mitteilung zitieren. "Zweifellos hat dies der Credit Suisse geschadet und zu Verunsicherung und Leid geführt. Ich bedauere das Vorgefallene und es hätte nie passieren dürfen." Zwischen Thiam und Khan soll es zum Zerwürfnis gekommen sein, weshalb Khan das Institut verließ und später bei der Erzrivalen UBS anheuerte.

Weitere Beschattung reklamiert
Der Spitzel-Skandal versetzte das Institut in Aufruhr. Die Schweizer Staatsanwaltschaft und die Finanzmarktaufsicht nahmen Ermittlungen auf. Auch eine ehemalige Führungskraft in den USA behauptet der Nachrichtenagentur "Bloomberg" zufolge, beschattet worden zu sein. Die Credit Suisse habe aber wiederholt erklärt, sie sei nach einer eigenen Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass die Behauptungen der Managerin "völlig unbegründet" seien. (ert)